Archiv für Oktober 2013

Stadt Dortmund für mehr Schutzlosigkeit

Ein neuer Standort für einen Straßenstrich in Dortmund wurde bisher trotz des Urteils des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen im März nicht eingerichtet. Stattdessen droht nun der Beratungsstelle KOBER, die seit der Schließung des Straßenstrichs im Mai 2011 die dadurch illegalisierten Sexarbeiterinnen in Dortmunds Nordstadt weiterhin unterstützt, das Ende: Ab Januar 2014 sollen keine städtischen Gelder mehr fließen.

Die Jagd auf die arbeitenden Frauen geht währenddessen, wie im September auch die Presse berichtete, in der Dortmunder Nordstadt weiter. Nach dem positiven Gerichtsurteil in Gelsenkirchen erklärte die Klägerin, die Sexarbeiterin Dany: Ich verstehe das alles nicht. … Wir Frauen wollen nur wieder einen guten Platz haben, an dem wir in Ruhe und einigermaßen geschützt arbeiten können – ein Platz mit Beratung, Alarmknopf und Boxen. Dortmund hat sich zuletzt allerdings immer für Schikanen und entwürdigende Bedingungen für die arbeitenden Frauen entschieden – und gegen ihre Sicherheit.

In einem offenen Brief fordern mehrere Initiativen und Einzelpersonen die Stadt Dortmund auf, die Prostituierten-Beratungsstelle KOBER weiterhin im bisherigen Umfang finanziell zu unterstützen: Die Streichung der städtischen Mittel bedeutet den Wegfall der Stellen von zwei Sozialarbeiterinnen und einer Sprachmittlerin. Die Dolmetscherin arbeitet zurzeit in der Erstbetreuung der Frauen aus Bulgarien.

Online-Petition: Aufruf zu einem Schritt gegen Gewalt gegen Frauen: keine Lager für Frauen!

Die Selbstorganisation geflüchteter Frauen Women in Exile hat eine Online-Petition initiiert:

In den letzten Monaten haben wir viel Aggression und manchmal sogar Gewalt von Rechtsradikalen gegen Unterkünfte für Flüchtlinge gesehen und wir haben auch gesehen, dass viele Linke und MenschenrechtsaktivistInnen und viele andere Teile der Zivilgesellschaft aktiv waren, um Unterkünfte für Flüchtlinge zu verteidigen und ihre Solidarität mit Flüchtlingen auszudrücken.
Wenn Flüchtlinge in Sammelunterkünften leben müssen, sind sie immer Gewalt ausgesetzt. Denn das bedeutet eine Trennung von anderen Teilen der Gesellschaft und macht Flüchtlinge verwundbar.
Dies ist einer der Gründe, warum wir und viele andere FlüchtlingsaktivistInnen seit vielen Jahren sagen: Kein Lager ! Wir wollen wie alle anderen in Wohnungen leben!
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Hier findet ihr die englische Version.

Hier könnt ihr den Aufruf unterzeichnen.

26 Oct | Saudi women driving campaign

Saudi-arabische Aktivistinnen haben dazu aufgerufen, am 26. Oktober erneut Widerstand gegen das Fahrverbot für Frauen in dem Land auf der Arabischen Halbinsel zu leisten. Die Kampagne schließt sich an eine Reihe früherer Aktionen an, von denen der Protesttag am 17. Juni 2011 der bedeutendste war. Ein Aufruf zur Unterstützung der Kampagne wurde mittlerweile von über 15.500 Personen unterzeichnet.

Überraschend entgegenkommend äußerte sich kürzlich der Leiter der saudischen Religionspolizei, Scheich Abdulatif Al al-Sheikh. Er erklärte Mitte September gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, die Scharia enthalte keinen Text, der Frauen das Fahren verbiete. Er mache jedoch keine Politik, sondern setze Regeln und Gesetze durch; Auto fahrende Frauen würden daher weiterhin angehalten. Tatsächlich gibt es in Saudi-Arabien kein Gesetz, das Frauen das Autofahren verbietet, sondern das Verbot wird mit den „Traditionen“ des Landes begründet.

Bereits vor einigen Tagen setzte sich in der Hauptstadt Riad eine Aktivistin hinter das Steuer und stellte anschließend ein Video von ihrer Fahrt ins Internet. Vor zwei Jahren wurde eine Fahrerin deswegen in Haft genommen: Manal al-Sharif, eine saudi-arabische Computerspezialistin, war 2011 bekannt geworden, nachdem sie im Vorfeld des damaligen Aktionstages bei YouTube ein Video eingestellt hatte, das sie beim Autofahren in der Stadt Chobar zeigte und andere Frauen zum Autofahren aufforderte, und anschließend inhaftiert wurde.

Weitere Quellen:
Saudi women driving ban not part of sharia–morality police chief, Reuters, 19.09.2013, http://www.reuters.com/article/2013/09/19/us-saudi-women-driving-idUSBRE98I0LJ20130919; Saudi-Arabien : 26. Oktober ist Aktionstag gegen Frauen-Fahrverbot, Global Voices, 26.09.2013, http://de.globalvoicesonline.org/2013/09/26/saudi-arabien-26-oktober-ist-aktionstag-gegen-frauen-fahrverbot/; Video: Saudi Woman Goes for a Defiant Drive, Saudi Women Driving, 06.10.2013, http://www.saudiwomendriving.blogspot.de/2013/10/video-saudi-woman-goes-for-defiant-drive.html.