Archiv für Dezember 2014

Offener Brief gegen Trans*-Diskriminierung – Solidarität mit Lann Hornscheidt

„Wir leben in einer Gesellschaft, in der Geschlecht eine sehr wichtige Kategorie ist, mit der Menschen eingeteilt werden. Die Einteilung in entweder „Mann“ oder „Frau“ ist für viele Menschen stimmig und wird zumeist unhinterfragt als scheinbar naturgegeben hingenommen.
Nicht alle Menschen finden diese Einteilung für sich stimmig. Personen, die dieser bei Geburt vorgenommenen Zuschreibung („biologisches Geschlecht“) oder den daran geknüpften Erwartungen an Mannsein und Frausein („soziales Geschlecht“/Gender) nicht entsprechen, werden problematisiert und sind bis heute massiver Diskriminierung ausgesetzt.
Die Medienhetze gegen Lann Hornscheidt verdeutlicht das Ausmaß an fehlendem Wissen, an Starrheit und Hass, mit dem in Deutschland auf Personen reagiert wird, die dem zweigeschlechtlichen Kategorisierungszwang nicht entsprechen können oder wollen.
Trans*-Diskriminierungen reichen von Angestarrtwerden, verbaler Gewalt durch Beschimpfungen und Drohungen über das Ausblenden der eigenen Lebensrealität im öffentlichen Diskurs – in Medien, in der Gesetzgebung und dem Bildungssystem – bis hin zu körperlicher/sexualisierter Gewalt oder sogar Mord.
Lann Hornscheidt forderte auf der eigenen Homepage für sich eine Ansprache ohne Geschlechtszuweisung – also beispielsweise mit der x-Form: „Profx“ statt „Professor“ oder „Professorin“, „x“ statt „seiner“ oder „ihrer“. Was darauf folgte, war eine massive Medienhetze in Zeitungen ebenso wie im Web2.0, die von neurechten bis in die sogenannten bürgerlichen Medienorgane reichte.
…“

Den gesamten offenen Brief der Gruppe trans*bashback lesen

In Reaktion auf die trans*-diskriminierenden Äußerungen in Medien, Internet und Universität der letzten Wochen hat sich die Gruppe trans*bashback gegründet, die sich mit diesem offenen Brief gegen jede Trans*-Diskriminierung wendet und mit Lann Hornscheidt solidarisch erklärt. Der Brief kann von Personen/Gruppen unterzeichnet werden, die die darin enthaltenen Positionen unterstützen möchten.

Das Repertoire der „Retter“

Flüchtende sollen nach der Vorstellung von Bundesinnenminister Thomas de Maizière zukünftig „gerettet“ werden, indem sie in „Ausreise- oder Willkommenszentren“ in nordafrikanischen Transitländern überprüft werden. Die Auslagerungspläne rechtfertigte de Maizière letzten Freitag in Brüssel bei einem EU-Ministertreffen unter Rückgriff auf den Menschenhandelsdiskurs. „Der jetzige Zustand ist, dass die Starken sich durchsetzen“, sagte de Maizière. „Dass Frauen und Mädchen in Bordellen in Europa landen, dass Menschen im Mittelmeer ertrinken und das noch mit wahnsinnigen Gewinnen von diesen Menschenhändlern.“1

Zäune um Europa: der Zaun vor Melilla – zwischen Marokko und Spanien

Die Zentren sollen Flüchtlinge von der lebensgefährlichen Fahrt über das Mittelmeer in Richtung Europa abhalten. „In den Zentren müsste die Entscheidung fallen, wer auf legalem Weg nach Europa kommen kann und wer mit unserer Hilfe wieder in seine Heimat zurückkehren muss“, hatte der Bundesinnenminister bereits im November gesagt.2 Durch die Erklärung von Migrant_innen – und insbesondere weiblichen – zu Opfern soll nun offenbar die beabsichtigte (weitere) Vorverlagerung der europäischen Außengrenzen in Länder wie Ägypten, Marokko oder Libyen als „humanitäre“ Maßnahme vermittelt werden. (weiter…)