Archiv für Juli 2015

Mehr Ehrlichkeit im Umgang mit Asylsuchenden!

An Aydan Özoguz, Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration:

Der Text kann hier auf openPetition unterzeichnet werden!

Sehr geehrte Frau Özoguz,

in einem Gespräch im NDR Kulturradio am 29.07.2015 äußern Sie Zustimmung zum Vorschlag der CSU, Asylsuchende nach Herkunft zu sortieren und Asylsuchende aus angeblich „sicheren Herkunftsstaaten“ in Sonderlagern unterzubringen. Das solle Flüchtlingen „aus verschiedenen Balkanstaaten“, die nach der derzeitigen Rechtslage keine Chance auf Asyl hätten, klar machen: „Ihr habt eigentlich keine Chance bei uns, es gibt für euch eine ganz spezielle erste Erstaufnahmeeinrichtung.“ Sie sagen, das sei in Ihren Augen „ein Stück Ehrlichkeit“ (NDR.de 29.07.2015).

Diese „Ehrlichkeit“ verschweigt und vertuscht, was das eigentliche Problem ist: Die deutsche „Rechtslage“ ignoriert die Menschenrechtsverletzungen, von denen zahlreiche Menschen aus Serbien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina betroffen sind und vor denen sie flüchten.

Sie erinnern sich sicher an die Debatten um die Verabschiedung des Gesetzes zu den angeblich „sicheren Herkunftsstaaten“: Für die Behauptung des Gesetzgebers, in diesen Staaten würden Menschen weder Verfolgung noch unmenschliche oder erniedrigende Behandlung drohen, gab es keinerlei Beweise – außer den niedrigen Anerkennungsquoten in Deutschland.

Zahlreiche Berichte internationaler Organisationen und Nichtregierungsorganisationen, z. B. der Europäische Kommission, des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen, von Human Rights Watch und von Amnesty International beweisen das Gegenteil: Ethnische Minderheiten und Homosexuelle werden extrem diskriminiert und sind alltäglich von gewalttätigen Angriffen bedroht, ohne dass sie vom Staat vor Übergriffen geschützt werden oder TäterInnen strafrechtlich verfolgt werden. Nach der Genfer Flüchtlingskonvention und dem europäischem Unionsrecht sind das Fluchtgründe, die als ‚kumulative Verfolgungsgründe’ anerkannt werden müssten.

In anderen europäischen Ländern wird diese Realität gesehen. Zum Beispiel erhält in der Schweiz jede/r fünfte Mazedonier/in Asyl (n-tv.de 22.07.2015)

Das entlarvt die derzeitige deutsche „Rechtslage“ mit der absurden Konstruktion von angeblich „sicheren Herkunftsstaaten“ als migrationspolitisch motivierte Lüge.

Sehr geehrte Frau Özoguz,

Sie sind sich dessen bewusst, dass sich diese „Rechtslage“ und das Vorhaben, die Liste der angeblich „sicheren Herkunftsstaaten“ um die Länder Albanien, Kosovo und Montenegro zu erweitern, hauptsächlich gegen schutzsuchende Roma richtet. Gleichzeitig plädieren Sie für einen „sensiblen“ Umgang mit Roma und Sinti. Schutzsuchende Roma von anderen Asylsuchenden zu segregieren und in speziellen Lagern unterzubringen zu wollen, ist aber angesichts der historischen Verantwortung Deutschlands nicht nur unsensibel. Es ist auch unverantwortlich und unannehmbar: Es trägt mit dem Gerede von „Asylmissbrauch“ dazu bei Ressentiments zu schüren und liefert eine Gruppe von Asylsuchenden in Sonderlagern in besonderem Maße rassistisch motivierter Gewalt aus.
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Na dann

Einige Links – Griechenland aus feministischer (und sonstiger) Perspektive bzw. über die Situation von Frauen*: Aliki Kosyfologou: The post-austerity era in Greece: Problems and possibilities from a feminist critical perspective (24.03.2015), auf transform! | Klaus Walter: Nach dem Syriza-Sieg in Griechenland. Die virile Regierung (05.02.2015), die tageszeitung | Amparo Rubiales: Un Gobierno sin mujeres (29.01.2015), El Huffington Post | Maria Zepatou: Media Representation and Greek Women in Crisis: Four Stories from the Front Lines (25.11.2013), auf {young}ist | Julie Tomlin: Did the press comply with an HIV witch-hunt in Greece? (07.11.2013), New Statesman | Doro Schreier: Die neue Armut in Griechenland hat ein weibliches Gesicht (14.03.2013), netzfrauen | Sandra Ernst Kaiser: Der Hunger der Athenerinnen (03.03.2013), dieStandard | Lizzy Davies: Greek crisis hits women especially hard (15.06.2012), The Guardian | Maria Kyriakidou: “Another world is possible as long as it is feminist too”: dissenting discourses and acts by Greek leftist feminists (Mai 2010), in Interface.

Übrigens: „όχι“ heißt nein.