Archiv für Januar 2016

Terminhinweis (Köln): WOMANWALK

In Köln haben zwei Frauen die Dinge selber in die Hand genommen und für diesen Sonntag (15 Uhr, Domplatte) einen „Womanwalk“ organisiert: Cologne „Womanwalk“ – frei und wild ist nicht Freiwild!.

GEGEN die Täter-Opfer-Umkehr, GEGEN (sexuelle) Gewalt an Frauen (und auch Männern). Lasst uns bunt und schrill durch die Stadt ziehen, ob dick eingepackt, oder im Mini – WE‘RE NOT ASKING FOR IT! …
WIR DISTANZIEREN UNS BEI DIESEM WALK GANZ KLAR VON RASSISTISCHEN DEBATTEN UND INSTRUMENTALISIERUNG ZUR HETZE !
Sexismus beschränkt sich nicht auf diese Menschengruppe. Er durchzieht unsere gesamte Gesellschaft – und das ist das Problem, über das wir reden müssen. Wir dürfen das Thema nicht nur dann entdecken, wenn es um Täter mit Migrationshintergrund geht. Die Leute, die die Vorfälle von Köln kritisieren, sind gleichzeitig oft jene, die sexualisierte Gewalt von Deutschen verharmlosen und betroffenen Frauen die Schuld daran geben.
Let’s shout out, loud and proud: WE BELONG TO NO-ONE BUT OURSELVES.

Die Demo ist für FLTI* und auch für Cis-Männer offen. Es wird vom Feministischen Arbeitskreis Köln initiiert einen FLTI*-Block geben.

Die Organisatorinnen freuen sich über Unterstützung und Mobilisierung! Es ist ihnen wichtig, dass diese Veranstaltung nicht von Rechten oder „Bürgerwehren“ übernommen wird und dass der Womanwalk als anti-sexistische und anti-rassistische Aktion von Frauen* wahrgenommen wird. Wir lassen uns nicht gegeneinander ausspielen. Wir können uns selbst schützen und für uns selber sprechen!

Geboren vor 85 Jahren: die Schriftstellerin Flora Nwapa

Florence Nwanzuruahu Nkiru Nwapa, in Oguta im Südosten Nigerias vor 85 Jahren geboren – am 13. Januar 1931 – als Autorin unter dem Namen Flora Nwapa bekannt, gilt als „Mutter der modernen afrikanischen Literatur“. Im Jahr 1966 erschien in englischer Sprache ihr Debütroman Efuru (Deutsch: Efuru, Göttingen 1997), der als erster Roman einer Frau aus Westafrika internationale Anerkennung fand und die komplexe Lebenssituation der Igbo-Frauen literarisch darstellte.

Flora Nwapa arbeitete zunächst im Erziehungswesen und später in der staatlichen Verwaltung. Nach der Herausgabe ihres zweiten Romans (Idu, 1970) war sie mit dem Vertrieb ihrer Bücher durch den veröffentlichenden britischen Verlag unzufrieden und gründete 1974 mit Tana Press ihren eigenen Verlag. 1977 folgte mit Flora Nwapa Books ein weiterer Verlag. Neben der Veröffentlichung ihrer eigenen Werke in diesen beiden Verlagen, darunter mehrere Kinderbücher, förderte sie als Verlegerin insbesondere unbekannte afrikanische Autorinnen.

Efuru, die Hauptfigur ihres ersten Romans, ist eine intelligente, schöne, hilfsbereite und als Händlerin wirtschaftlich erfolgreiche Frau, die tradierte Vorstellungen nicht pauschal ablehnt, aber auf ihrem eigenen Weg auch gegen Konventionen handelt. Kinderlos geblieben (ihre einzige Tochter stirbt) kehrt Efuru zuletzt nach zwei gescheiterten Ehen in das Haus ihres verstorbenen Vaters zurück und wird eine Priesterin Uhamiris, der Göttin des Oguta-Sees.
Die weiteren Werke Flora Nwapas setzen sich ebenfalls mit dem Leben der Frauen Nigerias auseinander (This Is Lagos, and Other Stories und die späteren Romane One Is Enough und Women Are Different), aber sie befassen sich auch mit den Erfahrungen des Biafra-Krieges (Never Again und Wives at War, and Other Stories).

In einem Interview erklärte Flora Nwapa, ihr Schreiben sei dadurch beeinflusst, dass sie selbst seit ihrer Kindheit unter sehr starken Frauen gelebt habe: So hätten ihre beiden Großmütter und deren Ko-Frauen wirtschaftliche Macht durch Handel erworben. Als Feministin bezeichnete sich Flora Nwapa nicht , sondern bezog sich auf den ursprünglich von Alice Walker geprägten Begriff Womanism – als Konzept, das sich von einem weißen Feminismus abgrenzt und sich auf die eigenen (afroamerikanischen, afrikanischen) Unterdrückungsverhältnisse (auch Kolonialismus) bezieht, in denen Sexismus ein Aspekt ist.
Flora Nwapa lehrte unter anderem an der New York University oder der University of Michigan in den USA. Sie starb mit 62 Jahren am 16. Oktober 1993 in Enugu in Nigeria an einer Lungenentzündung.

Quellen: Diverse Online-Quellen, hier der Link zum englischsprachigen Wikipedia-Eintrag: Flora Nwapa

Feminists know no “father”land!

This is the translation of the text below, “Feministinnen* kennen kein „Vater“land!”, as the question arose whether it was possible to translate the text into English in order to make it more accessible – and then it should be on the blog, too.

This year [now last year], the mainstream feminism has discovered the topic of refugee women. The October edition of the magazine ‚Emma‘ therefore includes a “gender-specific catalogue of demands” where Emma says what has to “HAPPEN NOW.”

At first glance, the demands seem at least not to do any harm, even though all those who have long been fighting together with refugee women* for an improvement of their situation will miss many demands – the demand that the degrading Asylum Seekers Benefits Act (Asylbewerberleistungsgesetz) be abolished, for example, or the demand for private housing and that collective accommodation, i.e. Lagers, be abolished. This means, the steps that refugee women* themselves have long been demanding for their protection are lacking. (weiter…)

(Lesenswerteres zu) Köln – oder: wie sexualisierte Gewalt zur Förderung von Rassismus instrumentalisiert wird

Die sexualisierte Gewalt und Diebstähle in der Silvesternacht in Köln vor dem Hauptbahnhof machen bei dem Thema für Feministinnen* recht ungewohnte Schlagzeilen. Das liegt wohl daran, dass jetzt wieder „gewaltlegitimierende Männlichkeitsnormen in muslimischer Kultur“ ausgemacht werden können (und Biodeutsche anscheinend nicht sexualisiert gewalttätig werden).

Hier folgen nun Links zu mehreren lesbaren Kommentaren zur Medienaufregung und Hetze im Netz:

Die Rape Culture wurde nicht nach Deutschland importiert – sie war schon immer da. Stefanie Lohaus und Anne Wizorek erklären auf Vice: „Ein in Sachen sexualisierter Gewalt halbwegs sensibilisierter Mensch kann sich dieser Tage nur verwundert die Augen reiben—wenn er nicht schon vor Wut schäumt. Die Gewalt am Kölner Hauptbahnhof als singuläres Ereignis darzustellen, als Ausnahme, die von außen über das „gute Deutschland“ hereingebrochen ist, schadet von Gewalt Betroffenen mindestens so sehr wie die Verwendung des Begriffs „Antanzen“ für die Art der Übergriffe.“

Ich bin es leid. Hilal Sezgin äußert in der Zeit: „Ich bin es leid, dass jede öffentliche Diskussion über sexualisierte Gewalt – falls überhaupt mal eine geführt wird – so schnell vor den Karren unzähliger anderer politischen Agenden gespannt wird, dass sie eigentlich schon keine Diskussion über sexualisierte Gewalt mehr ist. … Bevor wir überhaupt genau wissen, was passiert ist, bevor wir wissen, was die richtige Bezeichnung dafür ist, bevor wir darüber nachdenken konnten, ob das, was an Silvester in Köln geschehen ist, verwandt oder nicht verwandt ist mit dem, was wir andernorts an sexualisierter Gewalt erleben, sind aus allen Löchern Deuter und Kommentatoren gekrochen. Sonst schreiben sie nie über sexuelle Gewalt, aber zu solchen Anlässen leitartikeln sie und schnellschießen sie, und sie pressen Thesen heraus, die in ihr übriges Weltbild passen und uns Frauen zwingen, wiederum über unsere übrigen politischen Loyalitäten nachzudenken, bevor wir über die Sache selbst nachdenken können.“

Ein Täter ist ein Täter ist ein Täter. „Sexuelle Gewalt ist an keine Ethnie gebunden. Wer anderes behauptet, ist nicht nur rassistisch, sondern auch frauenverachtend“, schreibt Dinah Riese in der taz.

Angriffe in Köln: „Sexismus durchzieht unsere Gesellschaft“. Noch einmal Anne Wizorek, dieses Mal interviewt von der Frankfurter Rundschau: „Er [Sexismus] durchzieht unsere gesamte Gesellschaft – und das ist das Problem, über das wir reden müssen. Wir dürfen das Thema nicht nur dann entdecken, wenn es um Täter mit Migrationshintergrund geht. Die Leute, die die Vorfälle von Köln kritisieren, sind gleichzeitig oft jene, die sexualisierte Gewalt von Deutschen verharmlosen und betroffenen Frauen die Schuld daran geben.“

Die Gewalt von Köln und was zu tun ist. Antje Schrupp berichtet: „Das rassistische Narrativ ‚schwarzer Mann vergewaltigt weiße Frau’ ist volle Kanne durchgeschlagen, und das lässt sich erstmal nicht mehr einholen.“

zu Gewalt legitimierender Gewalt. Hannah C. erklärt auf Mädchenmannschaft: „Und wieder einmal sind es weiße deutsche Frauen, die als Schutzobjekt herhalten müssen. Wieder geht es nicht um geflüchtete Frauen, behinderte Frauen, Frauen, die nicht als weiß und deutsch kategorisiert werden, die zu Frauen erklärten Personen, die Transfrauen und und und, die, alle jeden Tag, mit Gewalt konfrontiert sind, die manchmal mit, manchmal ohne physische Spuren bleibt.“

Silvester in Köln – einige Anmerkungen. Auf Prinzessinnenreporter finden sich „einige Anmerkungen“ über die journalistische Berichterstattung.

How to deal with the New Year’s Eve sexual assaults in Cologne and Hamburg. „Let’s just keep sticking up for the women. As far as being a black man of African descent goes, the racists in Germany and elsewhere hate us anyway“, meint Musa Okwonga im New Statesman.

Ina Machold: Ich muss was sagen! #Köln #Gewalt #Rassismus #Sexismus #EineArmlänge

Haltungsturnen: Es geht um dich

Antifa-Koordination Köln und Umland (AKKU): Mit Rassismus gegen Sexismus?

Das sind nur einige Texte zu dem Thema, es gibt natürlich noch mehr – auch wenn insgesamt die Hetze überhand genommen hat und die Ankündigung von (Propaganda-)Maßnahmen gegen geflüchtete Menschen jeden Tag furchtbarer wird; die eigentlich notwendige Auseinandersetzung mit alltäglicher sexualisierter Gewalt wird erfolgreich verweigert.

Nachtrag: Es gibt jetzt eine Kampagne gegen sexualisierte Gewalt und Rassismus unter #ausnahmslos; dazu werden allerdings von Nadia auf Mädchenmannschaft eine Reihe berechtigter Fragen gestellt.