(Lesenswerteres zu) Köln – oder: wie sexualisierte Gewalt zur Förderung von Rassismus instrumentalisiert wird

Die sexualisierte Gewalt und Diebstähle in der Silvesternacht in Köln vor dem Hauptbahnhof machen bei dem Thema für Feministinnen* recht ungewohnte Schlagzeilen. Das liegt wohl daran, dass jetzt wieder „gewaltlegitimierende Männlichkeitsnormen in muslimischer Kultur“ ausgemacht werden können (und Biodeutsche anscheinend nicht sexualisiert gewalttätig werden).

Hier folgen nun Links zu mehreren lesbaren Kommentaren zur Medienaufregung und Hetze im Netz:

Die Rape Culture wurde nicht nach Deutschland importiert – sie war schon immer da. Stefanie Lohaus und Anne Wizorek erklären auf Vice: „Ein in Sachen sexualisierter Gewalt halbwegs sensibilisierter Mensch kann sich dieser Tage nur verwundert die Augen reiben—wenn er nicht schon vor Wut schäumt. Die Gewalt am Kölner Hauptbahnhof als singuläres Ereignis darzustellen, als Ausnahme, die von außen über das „gute Deutschland“ hereingebrochen ist, schadet von Gewalt Betroffenen mindestens so sehr wie die Verwendung des Begriffs „Antanzen“ für die Art der Übergriffe.“

Ich bin es leid. Hilal Sezgin äußert in der Zeit: „Ich bin es leid, dass jede öffentliche Diskussion über sexualisierte Gewalt – falls überhaupt mal eine geführt wird – so schnell vor den Karren unzähliger anderer politischen Agenden gespannt wird, dass sie eigentlich schon keine Diskussion über sexualisierte Gewalt mehr ist. … Bevor wir überhaupt genau wissen, was passiert ist, bevor wir wissen, was die richtige Bezeichnung dafür ist, bevor wir darüber nachdenken konnten, ob das, was an Silvester in Köln geschehen ist, verwandt oder nicht verwandt ist mit dem, was wir andernorts an sexualisierter Gewalt erleben, sind aus allen Löchern Deuter und Kommentatoren gekrochen. Sonst schreiben sie nie über sexuelle Gewalt, aber zu solchen Anlässen leitartikeln sie und schnellschießen sie, und sie pressen Thesen heraus, die in ihr übriges Weltbild passen und uns Frauen zwingen, wiederum über unsere übrigen politischen Loyalitäten nachzudenken, bevor wir über die Sache selbst nachdenken können.“

Ein Täter ist ein Täter ist ein Täter. „Sexuelle Gewalt ist an keine Ethnie gebunden. Wer anderes behauptet, ist nicht nur rassistisch, sondern auch frauenverachtend“, schreibt Dinah Riese in der taz.

Angriffe in Köln: „Sexismus durchzieht unsere Gesellschaft“. Noch einmal Anne Wizorek, dieses Mal interviewt von der Frankfurter Rundschau: „Er [Sexismus] durchzieht unsere gesamte Gesellschaft – und das ist das Problem, über das wir reden müssen. Wir dürfen das Thema nicht nur dann entdecken, wenn es um Täter mit Migrationshintergrund geht. Die Leute, die die Vorfälle von Köln kritisieren, sind gleichzeitig oft jene, die sexualisierte Gewalt von Deutschen verharmlosen und betroffenen Frauen die Schuld daran geben.“

Die Gewalt von Köln und was zu tun ist. Antje Schrupp berichtet: „Das rassistische Narrativ ‚schwarzer Mann vergewaltigt weiße Frau’ ist volle Kanne durchgeschlagen, und das lässt sich erstmal nicht mehr einholen.“

zu Gewalt legitimierender Gewalt. Hannah C. erklärt auf Mädchenmannschaft: „Und wieder einmal sind es weiße deutsche Frauen, die als Schutzobjekt herhalten müssen. Wieder geht es nicht um geflüchtete Frauen, behinderte Frauen, Frauen, die nicht als weiß und deutsch kategorisiert werden, die zu Frauen erklärten Personen, die Transfrauen und und und, die, alle jeden Tag, mit Gewalt konfrontiert sind, die manchmal mit, manchmal ohne physische Spuren bleibt.“

Silvester in Köln – einige Anmerkungen. Auf Prinzessinnenreporter finden sich „einige Anmerkungen“ über die journalistische Berichterstattung.

How to deal with the New Year’s Eve sexual assaults in Cologne and Hamburg. „Let’s just keep sticking up for the women. As far as being a black man of African descent goes, the racists in Germany and elsewhere hate us anyway“, meint Musa Okwonga im New Statesman.

Ina Machold: Ich muss was sagen! #Köln #Gewalt #Rassismus #Sexismus #EineArmlänge

Haltungsturnen: Es geht um dich

Antifa-Koordination Köln und Umland (AKKU): Mit Rassismus gegen Sexismus?

Das sind nur einige Texte zu dem Thema, es gibt natürlich noch mehr – auch wenn insgesamt die Hetze überhand genommen hat und die Ankündigung von (Propaganda-)Maßnahmen gegen geflüchtete Menschen jeden Tag furchtbarer wird; die eigentlich notwendige Auseinandersetzung mit alltäglicher sexualisierter Gewalt wird erfolgreich verweigert.

Nachtrag: Es gibt jetzt eine Kampagne gegen sexualisierte Gewalt und Rassismus unter #ausnahmslos; dazu werden allerdings von Nadia auf Mädchenmannschaft eine Reihe berechtigter Fragen gestellt.


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