Archiv für November 2016

Argentinien: Zehntausende gegen Gewalt gegen Frauen*

Am 25. November, dem Internationalen Tag zur Beseitigung der Gewalt gegen Frauen*, demonstrierten allein in Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires Zehntausende gegen Gewalt. Teilnehmer_innen des Protests riefen zu einem weltweiten Frauenstreik anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März 2017 auf. Bereits am 19. Oktober dieses Jahres streikten in Buenos Aires und in vielen anderen Städten Argentiniens und Lateinamerikas Frauen* für eine Stunde, um gegen Gewalt gegen Frauen* zu protestieren.

„Dem Streik folgen Demonstrationen im ganzen Land, allein in Buenos Aires mit etwa 150.000 Teilnehmenden: In schwarz gekleidet, trauernd und gleichzeitig voller Kraft, bilden sie eine schwarze Flut mit bunten Regenschirmen, die sich singend über die Straße des 9. Juli schiebt“, berichtet Caroline Kim in analyse & kritik über die Oktober-Demonstrationen in einem informativen Hintergrundartikel über die aktuellen Proteste. Der Auslöser war der Mord an einer 16-jährigen Schülerin: „Lucías Tod ist kein Einzelfall, keine Seltenheit, aber die Grausamkeit der Tat löst eine bisher einzigartige Welle der Empörung aus.“

Anlässlich der jetzigen Demonstration zum 25. November berichtet auch der ARD-Weltspiegel über die Bewegung ‚Ni Una Menos‘ (‚Nicht eine weniger‘), die in Argentinien gegen die Frauenmorde, die Femizide, und für eine gesellschaftliche Veränderung kämpft.

Demonstration gegen Gewalt gegen Frauen* in Buenos Aires am 19. Oktober

Protest gegen Rotes Kreuz in Münster

Das Deutsche Rote Kreuz in NRW macht – wie berichtet – über eine Tochtergesellschaft Geschäfte mit der Lagerunterbringung von Geflüchteten und vertuscht dabei sexualisierte Angriffe durch Beschäftigte. Deshalb stattete am Dienstag eine Gruppe von Aktivist*innen gegen sexualisierte Gewalt den Büros der DRK-Tochter Betreuungsdienste Westfalen-Lippe gGmbH in Münster einen Besuch ab. Das gewünschte gemeinsame Pressegespräch der Gruppe mit den DRK-Verantwortlichen in den Betreuungsdienste-Räumen fand jedoch aufgrund der mangelnden Auseinandersetzungsbereitschaft des DRK nicht statt. Stattdessen wurde schnell die Polizei gerufen.

Die Bedingungen für geflüchtete Frauen* will das Deutsche Rote Kreuz also wohl nicht ändern. In der Pressemitteilung der Gruppe heißt es:
„Das DRK betreibt über seine Betreuungsdienste in NRW sieben landeseigene Massen- und Abschiebelager, genannt Erstaufnahme- oder Zentrale Unterbringungseinrichtungen und Notlager. Diese begünstigen wegen des Fehlens von Privatsphäre und der menschenrechtswidrigen Lebensbedingungen immer wieder sexualisierte sowie rassistische Gewalt durch Betreuer*innen an den von ihnen abhängigen Betreuten, insbesondere an geflüchteten Frauen.
Ein im Sommer 2016 bekannt gewordener Skandal um sexualisierte Gewalt durch Mitarbeiter des DRK sowie seiner Securities im Lager Burbach bei Siegen brachte bei vielen engagierten Flüchtlingsunterstützer*innen das Fass zum Überlaufen – hatte doch erst vor gut zwei Jahren ein rassistischer Folterskandal im Lager Burbach für weltweite Empörung gesorgt!
Etwa vor einem Jahr wurden zwei Geflüchtete Zeugen der Entführung einer jungen Frau durch Securities, die offenbar sexuell missbraucht wurde und erst nach zwei Tagen ohne ihre Kleidung im Lager Burbach wieder auftauchte. Das DRK verleugnete und vertuschte die Vorfälle. Die beiden Zeugen wurden vom DRK fälschlich kriminalisiert und aus dem Lager verwiesen. Ein Mitarbeiter, der die ungeheuerlichen Vorfälle polizeilich anzeigte, wurde entlassen – ebenso aber auch ein wegen sexueller Ausbeutung beschuldigter DRK-Mitarbeiter.“

Ebenfalls thematisiert wird in der Pressemitmitteilung die Rolle des DRK als Betreiber von Abschiebelagern, in denen Geflüchtete aus angeblich „sicheren“ Herkunftsländern faktisch rechtlos einem Schnellverfahren ausgesetzt sind, das sie in kürzester Zeit wieder aus dem Land schafft. Insbesondere Roma sind davon betroffen.

Hier findet sich die gesamte Pressemitteilung und hier eine Pressemappe „Sexualisierte Gewalt in DRK-Lagern“ .

Der Blog Ruhrbarone, der ebenfalls über den Protest in Münster berichtet, schildert in diesem Zusammenhang auch, dass ein ehemaliger Unterkunftsleiter, der in Finnentrop im Sauerland eine Syrerin viermal vergewaltigt haben soll, 19fach vorbestraft ist, u.a. auch wegen eines Sexualdeliktes. „Die Bezirksregierung Arnsberg hat die Verantwortung für die Einstellung des Mannes in der Heimleitung bereits von sich gewiesen, für die Personalauswahl sei der von ihr beauftragte Betreiber European Homecare verantwortlich. Der hatte bereits 2014 in Burbach für einen weltweit beachteten Skandal gesorgt, weil seine Mitarbeiter in dem Heim systematisch Flüchtlinge misshandelt hatten.“

Bei der Unterbringung geflüchteter Frauen* in Nordrhein-Westfalen geht die Machtposition des Personals in Flüchtlingslagern Hand in Hand mit Verantwortungslosigkeit und Gewissenlosigkeit von offizieller und Betreiberseite.

Kinoreihe „Weltsichten“

Diesen Samstag startet im Kino im Dortmunder U die Filmreihe „Weltsichten“ mit dem Film „Das Mädchen Wadjda“ der saudi-arabischen Regisseurin Haifaa Al Mansour. Die Kinoreihe, die vom Internationalen Frauenfilmfestival Dortmund │Köln initiiert und zusammen mit dem Projektteam Betriebliches Mentoring für geflüchtete Frauen (PerMentl) durchgeführt wird, soll sich besonders an Frauen mit und ohne Fluchterfahrung oder Migrationshintergrund und ihre Familien richten (aber auch an alle anderen Interessierten). Einmal im Monat wird ein preisgekrönter Film der letzten Jahre zu sehen sein – Filme von und über Frauen, ihre Konflikte, ihren Mut und ihren Lebenswillen.

Das Mädchen Wadjda | Bild: Neue Visionen Filmverleih

Samstag, 19.11.16 | 17 Uhr | Kino im Dortmunder U | DAS MÄDCHEN WADJDA | Regie und Drehbuch: Haifaa Al Mansour | Saudi-Arabien/Deutschland 2012, 97 Min. | Arabisch mit deutschen Untertiteln

„Das Mädchen Wadjda“ ist ein Film über ein 11-jähriges Mädchen in Riad in Saudi-Arabien. Wadjda träumt davon, das grüne Fahrrad zu besitzen, das sie jeden Tag auf dem Schulweg sieht, und mit diesem Rad ein Rennen gegen ihren Freund Abdullah, einen Nachbarsjungen, zu fahren und zu gewinnen.

Den Programmflyer mit dem Filmprogramm und weiteren Informationen findet ihr hier .

Der Eintritt ist bei allen Veranstaltungen frei.