Strich / Code / Move: kreative Entstigmatisierung

Die Kunstaktion Strich / Code / Move, ein Projekt der Kampagne Sexarbeit ist Arbeit. Respekt!, startet am 22. Juli in Berlin mit fünf Lovemobilen auf dem Washingtonplatz (hinter dem Hauptbahnhof) und bleibt dort bis zum folgenden Samstag. Im September ist sie dann in Hannover. Künstler*innen, Sexarbeiter*innen und andere Akteur*innen der Kampagne laden ein zum Event: Drinnen und draußen soll über Werte, Intimität und Sexualität und natürlich über Sexarbeit informiert und diskutiert werden.

Die künstlerische Wagenburg der Lovemobile – umgestaltete Wohnwagen – soll unter anderem ein Museum zur Geschichte der Sexarbeit in Deutschland beherbergen oder eine interaktive Ausstellung mit Sextoys, die bei Berührung Fragmente von Interviews mit Sexarbeiter*innen wiedergeben. Die Aktion will einen Kontrapunkt zu der bleiernen Schwere der moralisierenden und paternalistischen Diskurse um Sexarbeit setzen. Vorrangiges Ziel ist es, durch eine kreative Plattform einen Raum zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Thema und mit dem Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG) zu schaffen. Die Wagen werden daher unter der Leitung durch die Schwarmkünstlerin Kerstin Schulz und ihr Team vom atelier-dreieck in Gehrden bei Hannover aufgestellt.

Das Prostituiertenschutzgesetz ist seit Mitte 2017 in Kraft und immer stark noch in der Kritik: Die gesetzlichen Maßnahmen schränkten die Rechte von Sexarbeiter*innen ein, bevormundeten und kriminalisierten sie, statt sie zu schützen. Das Gesetz betrachte Prostitutionsstätten hauptsächlich als Orte von Zwang und Gewalt. Nachdem vom Bundesverfassungsgericht eine Klage gegen das Prostituiertenschutzgesetz abgelehnt worden war, hat der Frankfurter Verein für soziale und politische Rechte von Prostituierten Doña Carmen im Februar dieses Jahres beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg Klage gegen das Gesetz eingereicht.

Natürlich ist Sexarbeit kein Paradies (welche Arbeit ist das?). Doch ein Verständnis von Sexarbeit als Arbeitsverhältnis ist selbstverständlich die Voraussetzung, um prekären Arbeitsbedingungen etwas entgegenzusetzen. Generelle sexualisierte Gewalt im angeblichen Kontrast zu anderen gesellschaftlichen Verhältnissen in der Sexarbeit zu verorten, grenzt aus, statt Gewalt- und Unterdrückungsstrukturen an den Orten zu benennen und zu bekämpfen, an denen sie vorhanden sind (ob in der Paarbeziehung oder der Prostitution). Und zwar als das, was sie sind: Gewalt aufgrund des Geschlechts, der geschlechtlichen Identität etc. in einem sexistischen Gesellschaftsgefüge. Die Kampagne Sexarbeit ist Arbeit. Respekt! kämpft deshalb – auch mit kreativen Konzepten – für eine sachliche Diskussion um ein komplexes Thema und gegen Stereotype und gesellschaftliche Stigmatisierung.


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