Frauen*-Internationalismus-Archiv Dortmund http://fia.blogsport.de Mon, 18 Sep 2017 16:56:08 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en United in Berlin (against sexism & racism) http://fia.blogsport.de/2017/09/18/united-in-berlin-against-sexism-racism/ http://fia.blogsport.de/2017/09/18/united-in-berlin-against-sexism-racism/#comments Mon, 18 Sep 2017 14:53:31 +0000 Administrator AllgemeinDemonstrationFeminismusFoto http://fia.blogsport.de/2017/09/18/united-in-berlin-against-sexism-racism/ Weit über 10.000 Menschen beteiligten sich am Samstag in Berlin an Protesten gegen Sexismus, christlichen Fundamentalismus und für sexuelle Selbstbestimmung (aus Anlass des alljährlichen Marsches der selbsternannten „LebensschützerInnen“, die Schwangerschaftsabbrüche vollständig illegalisieren wollen) und gegen Rassismus, rechte Hetze und für Bewegungsfreiheit (um eine Woche vor der Bundestagswahl die Stimmen derer hörbar zu machen, die nicht gehört werden sollen) und viel mehr … und hier folgen einige Ansichten davon.

Allein 2.000 Menschen nahmen an der Demonstration What the fuck
gegen den christlich-fundamentalistischen „Marsch für das Leben“ teil (und noch mehr insgesamt an Protesten und Blockaden dagegen).

Sexarbeiter*innen- & Unterstützer*innenblock auf der Demonstration


unterwegs …


… und am Brandenburger Tor

Mittags startete die antirassistische Parade Welcome United (We’ll Come United) mit unglaublich vielen unterschiedlichen Motivwägen vom
Bundesinnenministerium aus durch die Stadt.

die Spitze der Demonstration


gegen alle Ketten und Mauern (briser les chaîns mental)


wieder der rote Regenschirm der Sexarbeiter*innen-Organisierung

Wir werden uns nicht daran gewöhnen, was vor unseren Augen passiert und zur Normalität erklärt wird: Die Tage werden nicht besser. Das Leid und der Tod sind keine Ausnahme. Sie prägen unser Leben und den Alltag aller, die in diesem Land noch immer nicht dazugehören oder versuchen, hierher zu kommen. Menschen werden beleidigt, bespuckt, geschlagen. Die Solidarität von Hunderttausenden wird mit Füßen getreten. Wir werden misstrauisch angeguckt. Sie bauen Zäune, um uns nicht hereinzulassen. Sie schieben uns ab, damit wir verschwinden. Aber wir sind da. Wir bleiben. Wir haben unsere Hoffnung. Wir haben unsere Wünsche. Wir leben. Welcome united.
(aus dem Aufruf für die Parade)

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Queer-feministisch protestieren in Hamburg (Schlafen strengstens verboten) http://fia.blogsport.de/2017/07/04/queer-feministisch-protestieren-in-hamburg-schlafen-strengstens-verboten/ http://fia.blogsport.de/2017/07/04/queer-feministisch-protestieren-in-hamburg-schlafen-strengstens-verboten/#comments Tue, 04 Jul 2017 12:18:19 +0000 Administrator NachrichtenG20Protest http://fia.blogsport.de/2017/07/04/queer-feministisch-protestieren-in-hamburg-schlafen-strengstens-verboten/ Queer-feministisch protestieren in Hamburg (Schlafen strengstens verboten) ¦ 04-07-2017 ¦ Die Protestwelle gegen den G20-Gipfel ist angerollt. Auch ein „queer-feministisches Bündnis aus Gruppen und Einzelpersonen verschiedenster politischer Spektren“ (siehe Aufruf auf der Bündnis-Website) hat zur Beteiligung an Aktionen in dieser Woche aufgerufen. Unter anderem soll es einen FLTI*-Block und queeren Block auf der Vorabenddemonstration Welcome to Hell am Donnerstag geben, einen lila Blockade-Finger und antipatriarchalen Zaunspaziergang im Rahmen der Aktion Block G20 – colour the red zone sowie einen Anlaufpunkt für die Großdemonstration Grenzenlose Solidarität statt G20 am Samstag.]]> Die Protestwelle gegen den G20-Gipfel ist angerollt. Auch ein „breites queer-feministisches Bündnis aus Gruppen und Einzelpersonen verschiedenster politischer Spektren“ (siehe Aufruf auf der Website des Bündnisses) hat zur Beteiligung an den in dieser Woche geplanten Aktionen aufgerufen. Unter anderem soll es einen FLTI*-Block und queeren Block am Donnerstag auf der Vorabenddemonstration Welcome to Hell geben, einen lila Blockade-Finger und einen antipatriarchalen Zaunspaziergang im Rahmen der Aktion Block G20 – colour the red zone sowie einen queer-feministischen Anlaufpunkt für die Großdemonstration Grenzenlose Solidarität statt G20 am Samstag.

Das Schlafen während der Protesttage in Hamburg bleibt allerdings streng verboten (ein queeres Barrio mit FLTI*-Bereich auf dem G20-Camp war ebenfalls geplant). Hatte das Bundesverfassungsgericht zunächst letzte Woche entschieden, das Camp im Stadtpark dürfe nicht vollständig untersagt, sondern nur beschränkt werden – das hieß dann in Hamburg: keine Schlafzelte, Duschen etc. – folgte am Wochenende die Fortsetzung. Ein G20-Camp auf Entwerder mit allen Möglichkeiten wurde vom Hamburger Verwaltungsgericht genehmigt. Am Sonntag hieß es dazu noch in den NDR-Nachrichten: „Eine Sprecherin des Gerichts erklärte, dass die Polizei bei Sicherheitsbedenken Beschwerde gegen das Camp beim Oberverwaltungsgericht einlegen könne.“ Dann verhinderte die Polizei erst den Aufbau und stürmte schließlich das Camp – die Schlafzelte wurden abgerissen und am Montag ruderte auch das kleine Hamburger Verwaltungsgericht zurück. „Nach Angaben einer Gerichtssprecherin“, so nun der NDR, dürfen G20-Gegner*innen „weiterhin keine Schlafzelte aufstellen sowie Küchen und Duschen errichten“.

Wenn jetzt von offizieller Seite betont wird, die Versammlungsfreiheit sei ein hohes Gut, ist im Grunde genommen das Gegenteil gemeint. Die Möglichkeit eines „demokratischen Protests“ ist jedenfalls wohl nur gegen Schlafentzug zu haben. Ach, die „westlichen Werte“, die immer gegenüber Trump (oder Erdogan) herausgestellt werden, sind gerade unzweckmäßig.

Plakat(e) (Kreativität) am Dortmunder Hauptbahnhof

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Sexarbeit ist Arbeit. Respekt! http://fia.blogsport.de/2017/06/30/sexarbeit-ist-arbeit-respekt/ http://fia.blogsport.de/2017/06/30/sexarbeit-ist-arbeit-respekt/#comments Fri, 30 Jun 2017 21:17:31 +0000 Administrator AllgemeinArbeitKampagneProtestStigmatisierung http://fia.blogsport.de/2017/06/30/sexarbeit-ist-arbeit-respekt/ Morgen wird das Gesetz zur Regulierung des Prostitutionsgewerbes sowie zum Schutz von in der Prostitution tätigen Personen – das sogenannte Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG) – in Kraft treten. Dieser Name des Gesetzes ist eine orwellsche Irreführung (dem „Neusprech“ in Orwells Roman 1984 ähnlich): Sexarbeiter*innen sind zukünftig gezwungen, ihre Tätigkeit bei mehreren Behörden anzumelden. Bei ihrer Arbeit müssen sie dann einen Ausweis mit Foto bei sich führen, auf dem vermerkt ist, dass sie „Prostituierte“ sind. Dadurch werden Sexarbeiter*innen nicht geschützt, sondern stigmatisiert, kontrolliert und möglicherweise in Gefahr gebracht.

Deshalb wurde heute in einer bundesweiten Aktion in mehreren Städten gegen das Gesetz protestiert. Am 2. Juni, dem Internationalen Hurentag, startete ein Bündnis aus Sexarbeiter*innen, feministischen Aktivist*innen, Sozialarbeiter*innen und anderen Unterstützer*innen die Kampagne Sexarbeit ist Arbeit. Respekt! Das Bündnis setzt sich für die Abschaffung des ‚Prostituiertenschutzgesetzes‘ und anderer diskriminierenden und kriminalisierenden Gesetze gegen Sexarbeiter*innen ein.

„Wir müssen für uns und unsere Familien Isolierung und Ablehnung, Respektlosigkeit und Mobbing befürchten“, erklärte heute eine Sexarbeiterin, die gegen das Gesetz protestierte. „Wenn mein Ausweis in falsche Hände gerät, könnte ich sogar erpresst werden. Und wie ich unsere Kunden kenne, werden sie nach diesem Ausweis fragen, um damit unsere persönliche Daten zu erfahren.“ Eine feministische Aktivistin, die sich an den Protesten beteiligte, meinte: „Letztlich betrifft die Stigmatisierung von Sexarbeit alle Frauen* und alle, die aus anderen Gründen nicht in patriarchale Gendernormen passen. Denn das Hurenstigma, und der damit verbundene Dualismus zwischen Heilige und Hure, ist ein Kernelement geschlechtsspezifischer Erziehung, die alle Mädchen* und Frauen* in ihrer Selbstbestimmung einschränkt.“

Protestaktion in Berlin

Laut Mitteldeutschem Rundfunk (MDR) sieht selbst das Bundesland Thüringen das neue Regelwerk mit Skepsis. „Betroffene Personen könnten sich nicht anmelden, weil sie befürchten, dass ihre Prostitutionstätigkeit öffentlich bekannt wird“, so die Sorge im Thüringer Sozialministerium. Nicht immer gelungene Versuche, Sexarbeiter*innen zu registrieren, scharf zu kontrollieren und zu entrechten, gab es – häufig aus Gründen der „Sittlichkeit“ – bereits in vergangenen Jahrhunderten. Im Januar 1883 erhielt der Dortmunder Landrat Freiherr von Rynsch ein Schreiben der Königl. Regierung, Abteilung des Inneren, in dem er zur gründlicheren Erfassung der Prostituierten aufgefordert wurde:

Aus einem Bericht der städtischen Polizei-Verwaltung zu Dortmund haben wir ersehen, daß gegenwärtig nur 6 dortselbst wohnhafte Prostituierte unter regelmäßiger sitten- und sanitätspolizeilicher Controle stehen, früher controlierte Prostituierte aber in unbestimmter Anzahl Wohnung in anderen nahe gelegenen Ortschaften des Landkreises genommen haben und von letzteren aus ihr Wesen in der Stadt Dortmund fortsetzen. …1

Das Frauen*-Internationalismus-Archiv Dortmund unterstützt die Kampagne Sexarbeit ist Arbeit. Weitere Unterstützer*innen der Kampagne sind gern gesehen!

  1. A. Jenders/A. Müller: „Nur die Dummen sind eingeschrieben…“. Dortmunder Dirnen- und Sittengeschichte zwischen 1870 und 1927. Hrsg. Geschichtswerkstatt Dortmund e.V., 1993, S. 34. [zurück]
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Black Lives Matter in Berlin http://fia.blogsport.de/2017/06/26/black-lives-matter-in-berlin/ http://fia.blogsport.de/2017/06/26/black-lives-matter-in-berlin/#comments Mon, 26 Jun 2017 19:20:24 +0000 Administrator NachrichtenFeminismusProtestRassismus http://fia.blogsport.de/2017/06/26/black-lives-matter-in-berlin/ Black Lives Matter in Berlin ¦ 26-06-2017 ¦ Mit fast täglichen Veranstaltungen läuft zurzeit in Berlin der Black-Lives-Matter-Monat, in dessen Rahmen am Samstag die dritte Berliner Black-Lives-Matter-Demonstration mit etwa 1.000 Beteiligten stattgefunden hat. Die Organisatorinnen* sind ein feministisches Frauen*kollektiv, die in ihrem Demonstrationsaufruf schreiben, der BLM-Monat stehe „mit seinem Veranstaltungsprogramm und dem Protestmarsch für eine nachhaltige Veränderung unserer Gesellschaft und gegen das Verschweigen von Rassismus“.]]> Mit fast täglichen Veranstaltungen läuft zurzeit in Berlin der Black-Lives-Matter-Monat, in dessen Rahmen am Samstag die dritte Berliner Black-Lives-Matter-Demonstration mit etwa 1.000 Beteiligten stattgefunden hat. Die Organisatorinnen* sind ein feministisches Frauen*kollektiv, die in ihrem Demonstrationsaufruf schreiben, der BLM-Monat stehe „mit seinem Veranstaltungsprogramm und dem Protestmarsch für eine nachhaltige Veränderung unserer Gesellschaft und gegen das Verschweigen von Rassismus“.

Black-Lives-Matter-Demonstration im Juli 2016

„Es geht nicht anders“, erklärt Josephine Apraku von Black Lives Matter Berlin in einem Interview in der Zeit auf die Frage, ob Feminismus und Antirassismus zusammengehören. „Unterschiedliche Formen von Diskriminierung sind miteinander verwoben und wirken zusammen: Ich beispielsweise erfahre sowohl in Bezug auf mein Frau-Sein als auch als im Hinblick auf mein Schwarz-Sein Diskriminierung. In Teilen ergeben sich daraus spezifische Marginalisierungen, die gleichermaßen sexistisch und rassistisch sind. Weil unsere Identitäten komplex sind, muss es unser Widerstand auch sein.“

In einem im Missy Magazine veröffentlichten „Selbstinterview“ bezeichnet eine der Aktivistinnen* ihre Initiative entsprechend als „intersektionaler Feminismus at work“. Ebenfalls im Missy Magazine erläutert Shaheen Wacker die Wurzeln, auf denen Black Lives Matter Berlin aufbaut. „Lange bevor es Begriffe wie Intersektionalität in Büchern und an Universitäten gab, gab es Denkweisen und Handlungen, die sich namenlos aus den alltäglichen Erfahrungen der Menschen entwickelt haben, für die sie überlebensnotwendig waren und sind. Critical Whiteness ist eine davon, Identitätspolitik eine andere.“ Ihre Vorstellungen weisen allerdings absichtlich über Identitätspolitik hinaus, wenn sie erklärt: „Wir können uns nur selbst befreien. Das schließt nicht aus, dass Menschen außerhalb einer spezifischen unterdrückten Gruppe oder Kategorie nicht auch eine positive Rolle in einem kollektiven Befreiungskampf besetzen können. Vielmehr ist es wichtig anzuerkennen, dass jede von Unterdrückung betroffene Person im Zentrum des eigenen Befreiungskampfes steht und als Teil eines Kollektivs sowohl die Unterstützung der Anderen erfährt, als auch die eigenen Ressourcen und Privilegien einsetzen kann, um wiederum Andere zu empowern.“

Sie zitiert die australische Aborigine-Aktivistin Lila Watso: „If you’ve come to help me, you’re wasting your time. But if you’ve come because your liberation is bound up with mine, then let us work together.“ In diesem Sinne ist zu wünschen, dass die nächste Black-Lives-Matter-Demonstration in Berlin (oder an einem anderen Ort in Deutschland) als gemeinschaftlicher, vielfältiger Widerstand noch um einiges größer wird.

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Frauenfilmfestival 4.- 9. April in Dortmund http://fia.blogsport.de/2017/03/28/frauenfilmfestival-4-9-april-in-dortmund/ http://fia.blogsport.de/2017/03/28/frauenfilmfestival-4-9-april-in-dortmund/#comments Tue, 28 Mar 2017 07:48:01 +0000 Administrator AllgemeinDortmundVeranstaltung http://fia.blogsport.de/2017/03/28/frauenfilmfestival-4-9-april-in-dortmund/

Seit 30 Jahren findet in Dortmund das Internationale Frauenfilmfestival (in jährlichem Wechsel mit der Kölner Ausgabe) statt – in diesem Jahr stehen vom 4. bis 9. April 2017 unter dem Titel IN CONTROL…of the situation / Alles unter Kontrolle etwa 120 aktuelle und historische Filme, Performances und Diskussionen auf dem Programm.
Das Messbare hat Einzug in alle Lebensbereiche gehalten. Doch während Überwachung allgegenwärtig ist, gerät die Welt zunehmend außer Kontrolle. Immer wieder tauchen neue Krisengebiete auf der Landkarte auf, Konflikte verfestigen sich, Menschen müssen fliehen.

Informationen über das diesjährige Festival finden sich hier

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Hunderttausende beim ‚Women’s March‘ in Washington und anderswo http://fia.blogsport.de/2017/01/23/hunderttausende-beim-womens-march-in-washington-und-anderswo/ http://fia.blogsport.de/2017/01/23/hunderttausende-beim-womens-march-in-washington-und-anderswo/#comments Mon, 23 Jan 2017 18:17:14 +0000 Administrator NachrichtenFeminismusProtestUSA http://fia.blogsport.de/2017/01/23/hunderttausende-beim-womens-march-in-washington-und-anderswo/ Hunderttausende beim ‚Women’s March‘ in Washington und anderswo ¦ 23-01-2017 ¦ Allein in Washington und Los Angeles beteiligten sich am Samstag jeweils über eine halbe Million Menschen an den dortigen Women’s Marches; Demonstrationen mit schätzungsweise mehr als 100.000 Teilnehmer*innen soll es auch in New York, Chicago, Boston, Denver und Seattle gegeben haben. Mit etwa 670 Sister Marches weltweit in Solidarität mit der Veranstaltung in Washington wurde die Zahl der Beteiligten global auf über 4,6 Millionen geschätzt, darunter etwa 100.000 Menschen bei einem Protestmarsch in London. Die Women's Marches sind so der größte Protest nach dem Antritt eines neuen Präsidenten in der Geschichte der USA geworden.]]> Allein in Washington und Los Angeles beteiligten sich am Samstag jeweils über eine halbe Million Menschen an den dortigen Women’s Marches; Demonstrationen mit schätzungsweise mehr als 100.000 Teilnehmer*innen soll es auch in New York, Chicago, Boston, Denver und Seattle gegeben haben. Mit etwa 670 Sister Marches weltweit in Solidarität mit der Veranstaltung in Washington wurde die Zahl der Beteiligten global auf über 4,6 Millionen Menschen geschätzt, darunter etwa 100.000 Menschen bei einem Protestmarsch in London. Die Women’s Marches sind so der größte Protest nach dem Antritt eines neuen Präsidenten in der Geschichte der USA geworden.

Durch die Aufforderung zu einem Zusammenkommen „in Diversität“ wurde eine breite Beteiligung – gegen Rassismus und Polizeigewalt, für Migrant*innen und Geflüchtete in den USA, von LGBT-Organisationen oder Klimaschützer*innen… – an den Marches mit feministischem Schwerpunkt ermöglicht. Auseinandersetzungen gab es im Vorfeld (selbstverständlich) dennoch, etwa über die Beteiligung von Gruppen gegen Abtreibung, die sich selbst als feministisch definieren, oder um Spannungen zwischen weißen und nicht-weißen Frauen*.

Der gerade vor den Massendemonstrationen ins Amt eingeführte Präsident wurde in dem zentralen Aufruf zu den Protesten dagegen noch nicht einmal namentlich genannt. Trotzdem herrscht hier häufig medial weniger ein Interesse an den Forderungen der Beteiligten, sondern eher an der Größe der im Wesentlichen „Anti-Trump-Proteste“ gelabelten Demonstrationen. Einen der hiesigen Gründe präsentiert die Zeitung Frankfurter Rundschau heute mit diesem Ankündigungsgemisch auf ihrer Frontseite:

Nach dem Erfolg des Demonstrationsaufrufs wird auf der Women‘s-March-Website mit einer ersten Aktion von ‚10 Aktionen in den ersten 100 Tagen‘ bereits für eine nächste Protestmöglichkeit geworben. Und Fotos, Fotos, Fotos … von den Protestmärschen an verschiedenen Orten in den USA und auf verschiedenen Kontinenten gibt es an mehreren Stellen im Netz – hier beispielsweise bei der New York Times.

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Ethnisierung von Gewalt (Fortsetzung vom letzten Jahr) http://fia.blogsport.de/2017/01/04/ethnisierung-von-gewalt-fortsetzung-vom-letzten-jahr/ http://fia.blogsport.de/2017/01/04/ethnisierung-von-gewalt-fortsetzung-vom-letzten-jahr/#comments Wed, 04 Jan 2017 14:45:24 +0000 Administrator AllgemeinRacial ProfilingRassismussexualisierte Gewalt http://fia.blogsport.de/2017/01/04/ethnisierung-von-gewalt-fortsetzung-vom-letzten-jahr/ Wie kann es sein, dass so viele behaupten, kein Racial Profiling im Vorgehen der Polizei in der Silvesternacht in Köln erkennen zu können? Um es kurz zusammenzufassen: Nach übereinstimmenden Berichten nutzte die Polizei die Ausgänge des Kölner Hauptbahnhofs, um Ankommende in polizeilich als weiß (linke Tür) und nordafrikanisch (nicht-weiß) Identifizierte (rechte Tür), die in einem Kessel bis zu drei Stunden festgehalten wurden, zu sortieren. „Anwesende Polizisten sprechen von ‚selektieren‘“, berichtete der Kölner Stadt-Anzeiger um 21:32 Uhr. „Es wird keiner zu früh gehen“, erklärte Polizeipräsident Jürgen Mathies später. „[M] ehrere Hundert Personen, die augenscheinlich aus Afrika stammen“, meldete die Polizei Köln in der Nacht auf Facebook und auf Twitter etwa gleichzeitig „mehrere Hundert Nafris“.1 (Es ist übel, solche Äußerungen auch noch zu wiederholen, stimmt, hat aber hier erklärenden Charakter.)

Die Abkürzung, die diversen Meldungen zufolge für „nordafrikanische Intensivtäter“ steht, sei eigentlich nicht für den öffentlichen Gebrauch bestimmt, erklärte Kölns Polizeipräsident Mathies nachher. Macht es etwas besser, wenn ein homogenisierend-diskriminierender Begriff für eine Gruppe von Menschen (aus Ägypten, Algerien, Libanon, Libyen, Marokko, Syrien und Tunesien, die zwar nicht alle in Nordafrika liegen, aber egal) intern verwendet wird? Der Begriff beschreibe nur generell „Menschen eines bestimmten Phänotyps“, hatte ein Polizeisprecher gegenüber Spiegel online zu relativieren versucht. „Was genau einen Menschen zum potenziellen „Nafri“ macht, ob es die Hautfarbe, Frisur oder Kleidung sei, das wollte der Sprecher nicht sagen, ergänzte jedoch: ‚Wie ein Nordafrikaner grundsätzlich aussieht, das weiß man.‘“2

Sexismus durchzieht die Gesellschaft. Sexualisierte Übergriffe finden nicht im Wesentlichen durch (in diesem Fall polizeilich) als nicht-biodeutsch oder nicht-weiß identifizierte Männer statt, das ist eine allgemein bekannte Tatsache, eine Binsenweisheit (wobei die als nicht-biodeutsch identifizierten nicht notwendigerweise auch tatsächlich nicht biodeutsch sein müssen). Werden aber heterosexistische/patriarchale Strukturen auf Andere projiziert – kulturalisiert, ethnisiert bzw. aus dieser Gesellschaft „ausgelagert“ –, werden innergesellschaftliche Auseinandersetzungen darüber und Gesellschaftsveränderung unnötig. Rassismus ist eben superbequem. Gewaltbetroffenen Frauen* oder LGBT* nützt diese Instrumentalisierung sexualisierter Gewalt natürlich nichts, aber darum geht es auch nicht. Schon Anfang letzten Jahres standen weniger die sexualisierten Übergriffe und Gewalt in der Silvesternacht bzw. gesellschaftliche Strukturen, die diese hervorbringen, im Fokus, sondern die mutmaßliche Täterherkunft – und der politische Wunsch, Marokko, Algerien und Tunesien zu angeblich „sicheren“ Herkunftsstaaten zu erklären, um Menschen dorthin pauschal schneller abschieben zu können.

Was hätte die Polizei denn tun sollen? – ist nun eine häufig gestellte (und meistens mit Lob für die Polizei verbundene) Frage. Und weil nicht sein kann, was nicht sein darf, erklärte am Montag ein Sprecher des Bundesinnenministeriums zusätzlich, Kontrollen, die nur an die äußere Erscheinung von Personen anknüpften, ohne dass „weitere verdichtende polizeiliche Erkenntnisse“ dazukämen, seien rechtswidrig – und würden von der Bundespolizei deshalb auch nicht praktiziert. Genau wegen solcher (generalverdachtsabhängiger) Kontrollen hat aber die Bundespolizei in den letzten Jahren mehrere Gerichtsverfahren verloren.3 Es lässt sich hier nur das Fazit ziehen, dass Ordnungsmacht und Sicherheitsexpert*innen in Nordrhein-Westfalen – die wirklich nicht ohne Erfahrung mit Großereignissen sein können – innerhalb eines ganzen Jahres kein nicht rassistisches Konzept entwickeln können, oder? Und entsetzt feststellen, dass mittlerweile kaum noch jemand beim Namen nennen will, was massenhaft und offensichtlich in Köln und anderswo stattgefunden hat und stattfindet.

  1. Quellen u.a.: Christoph Herwartz: Köln, Hauptbahnhof: Wer feiern darf und wer nicht, n-tv, 01.01.2017, http://www.n-tv.de/politik/Wer-feiern-darf-und-wer-nicht-article19445146.html; Newsticker zum Nachlesen. Festnahmen und Kontrollen – So war die Silvesternacht in Köln, Kölner Stadt-Anzeiger, 01.01.2017, http://www.ksta.de/koeln/newsticker-zum-nachlesen-festnahmen-und-kontrollen---so-war-die-silvesternacht-in-koeln-25398418; Sebastian Weiermann: Rassistische Großkontrollen zum Jahreswechsel, neues deutschland, 02.01.2017, https://www.neues-deutschland.de/artikel/1037154.rassistische-grosskontrollen-zum-jahreswechsel.html; Felix Christians: Silvester: Kölnverbot für Nicht-Weiße, Ruhrbarone, 02.01.2017, http://www.ruhrbarone.de/silvester-koeln/137189. [zurück]
  2. Kölner Polizei rechtfertigt sich. Vorwurf der Diskriminierung / Amnesty fordert Untersuchung des Einsatzes zu Silvester (FR/epd), Frankfurter Rundschau, 03.01.2017; Christian Neeb: Kölner Silvesterkontrollen. Was bitteschön ist ein „Nafri“?, Spiegel online, 01.01.2017, http://www.spiegel.de/panorama/justiz/silvester-kontrollen-in-koeln-was-bitteschoen-ist-ein-nafri-a-1128172.html. [zurück]
  3. Steven Geyer: Kölner Silvesternacht: „Racial Profiling“ in Köln?, Frankfurter Rundschau, 02.01.2017, http://www.fr-online.de/politik/koelner-silvesternacht--racial-profiling--in-koeln-,1472596,35052848.html. Zum Thema Racial Profiling (bzw. Gerichtsverfahren deswegen) u. a.: Oliver Klasen und Jonas Schaible: Diskriminierende Polizeikontrollen. Hauptkriterium: Hautfarbe, Süddeutsche Zeitung, 22.11.2012, http://www.sueddeutsche.de/politik/diskriminierende-polizeikontrollen-hauptkriterium-hautfarbe-1.1529047; Hartmut Wagner: Ausweiskontrolle wegen Hautfarbe? Neue Schlappe für die Polizei, Rhein-Zeitung, 24.10.2014, http://www.rhein-zeitung.de/region_artikel,-ausweiskontrolle-wegen-hautfarbe-neue-schlappe-fuer-die-polizei-_arid,1223855.html; George Stavrakis: Rechtswidrige Polizeikontrolle. Die Hautfarbe spielt keine Rolle, Stuttgarter Nachrichten, 24.10.2015, http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.rechtswidrige-polizeikontrolle-die-hautfarbe-spielt-keine-rolle.7c9e678a-881f-44da-b011-2ebe837d884e.html; Joachim F. Tornau: Racial Profiling: Kontrolle wegen Hautfarbe war rechtswidrig, Frankfurter Rundschau, 22.04.2016, http://www.fr-online.de/politik/racial-profiling-kontrolle-wegen-hautfarbe-war-rechtswidrig,1472596,34138118.html; Nadja Schlüter und Charlotte Haunhorst: „Warum ausgerechnet ich?“, jetzt, 03.01.2016, http://www.jetzt.de/rassismus/erfahrungen-mit-racial-profiling-in-deutschland. [zurück]
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Türkei: Prozess gegen die Schriftstellerin Aslı Erdoğan http://fia.blogsport.de/2017/01/03/tuerkei-prozess-gegen-die-schriftstellerin-asli-erdogan/ http://fia.blogsport.de/2017/01/03/tuerkei-prozess-gegen-die-schriftstellerin-asli-erdogan/#comments Tue, 03 Jan 2017 16:32:00 +0000 Administrator NachrichtenLiteraturRepressionTürkei http://fia.blogsport.de/2017/01/03/tuerkei-prozess-gegen-die-schriftstellerin-asli-erdogan/ Türkei: Prozess gegen die Schriftstellerin Aslı Erdoğan ¦ 03-01-2017 ¦ Im Verfahren gegen die türkische Autorin Aslı Erdoğan und acht Mitangeklagte, die ebenso wie sie für die Zeitung Özgür Gündem tätig waren, hat das Gericht letzte Woche zum Prozessauftakt die Entlassung der Schriftstellerin aus der Untersuchungshaft angeordnet. Auch die 70jährige Autorin und Übersetzerin Necmiye Alpay wurde freigelassen. Beide befanden sich seit viereinhalb Monaten im Istanbuler Frauengefängnis Bakırköy. Wegen der Kolumnen, die Aslı Erdoğan in der Özgür Gündem über die Situation in den kurdischen Gebieten veröffentlicht hatte, wird ihr in der Türkei der Prozess wegen „Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation“ gemacht.]]> Im Verfahren gegen die türkische Autorin Aslı Erdoğan und acht Mitangeklagte, die ebenso wie sie für die Zeitung Özgür Gündem tätig waren, hat das Gericht letzte Woche zum Prozessauftakt die Entlassung der Schriftstellerin aus der Untersuchungshaft angeordnet. Auch die 70jährige Autorin und Übersetzerin Necmiye Alpay wurde freigelassen. Beide befanden sich seit viereinhalb Monaten im Istanbuler Frauengefängnis Bakırköy. Wegen der Kolumnen, die Aslı Erdoğan in der Özgür Gündem über die Situation in den kurdischen Gebieten veröffentlicht hatte, wird ihr in der Türkei der Prozess wegen „Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation“ gemacht.

Aus einem Gefängnis, einem Frauengefängnis zwischen einer Psychiatrie und einem ehemaligen Lepra-Krankenhaus, rufe ich heraus zu euch Literaten. Hinter Steinen, Beton und Stacheldraht rufe ich – wie aus einem Brunnenschacht – zu euch: Hier, in meinem Land, lässt man mit einer unvorstellbaren Rohheit das Gewissen verkommen. Dabei wird gewohnheitsmäßig und wie blind versucht, die Wahrheit zu töten. Auch wenn ich nicht weiß, wie, aber die Literatur hat es immer geschafft, Diktatoren zu überwinden. Die Literatur, die wir mit unserem eigenen Blut schreiben, denn diese ist für mich die Wahrheit. Herzliche Grüße, Aslı Erdoğan. Diese Grußbotschaft Aslı Erdoğans wurde zur Eröffnung der diesjährigen Frankfurter Buchmesse verlesen, während der die Autorin bereits inhaftiert war.

Plakat auf der Frankfurter Buchmesse

Dabei ist die Schriftstellerin, die für ihre Romane mehrere Literaturpreise – unter anderem im Jahr 2010 mit dem Sait-Faik-Literaturpreis einen der bedeutendsten Preise der Türkei – erhalten hat, nur eine von vielen, deren Ansichten zur aktuellen Lage in der Türkei unerwünscht sind. Seit dem Putschversuch in der Türkei verloren über 110.000 Personen ihren Job oder wurden suspendiert und etwa 40.000 Menschen wurden festgenommen; ungefähr 150 Autor*innen und Journalist*innen sitzen derzeit in türkischen Gefängnissen. Der Prozess gegen Aslı Erdoğan und andere Mitarbeiter*innen der Özgür Gündem soll nun nach einer weiteren Verhandlung gestern am 14. März fortgesetzt werden.

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Guten Start http://fia.blogsport.de/2016/12/31/guten-start/ http://fia.blogsport.de/2016/12/31/guten-start/#comments Sat, 31 Dec 2016 19:20:03 +0000 Administrator AllgemeinFoto http://fia.blogsport.de/2016/12/31/guten-start/

…ins neue Jahr.

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“Starting below Zero” http://fia.blogsport.de/2016/12/29/starting-below-zero/ http://fia.blogsport.de/2016/12/29/starting-below-zero/#comments Thu, 29 Dec 2016 18:37:11 +0000 Administrator AllgemeinLagersexualisierte Gewalt http://fia.blogsport.de/2016/12/29/starting-below-zero/ Das nordrhein-westfälische Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter hat eine App entwickeln lassen, die geflüchtete und von Gewalt betroffene Frauen* über ihre Rechte und über Unterstützungsmöglichkeiten (wie Beratungsstellen oder Polizeidienststellen in der Nähe) informieren soll. Die App „RefuShe“ steht in fünf Sprachen – Deutsch, Englisch, Arabisch, Kurdisch, Paschtu – zum Herunterladen für Android-Handys zur Verfügung. Nützliche Informationen für Frauen* sind an sich eine gute Sache. NRW-Emanzipationsministerin Steffens muss jedoch dazu noch die Ansicht verbreiten, dieses Land sei ein antisexistisches Paradies; Flüchtlingsfrauen* machen leider häufig die gegenteilige Erfahrung. „Grundwerte wie Gleichstellung und Selbstbestimmung“ solle die App den Frauen* vermitteln, wirbt das NRW-Ministerium auch in einer Pressemitteilung1 in anscheinend völliger Unkenntnis der hierarchischen und fremdbestimmten Verhältnisse, unter denen Flüchtlingsfrauen* hier in Lagern leben müssen.

“Starting below Zero” („Unter Null anfangen“) ist passenderweise der Titel einer Beschreibung von in Buchform (auf Englisch) zusammengefassten Forschungsergebnissen, die von Studierenden und Lehrenden der Sozial- und Kulturanthropologie der Freien Universität Berlin in Kooperation mit dem International Women’s Space (IWS), einer Gruppe geflüchteter und migrierter Frauen, über das Leben von Frauen* in Berliner Flüchtlingslagern zusammengetragen wurden. „Viele Frauen* drückten den starken Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben aus“, heißt es dort im Resümee, da ihnen durch Lagerleben und Wartezustand die Möglichkeit dazu genommen werde.2 Unter anderem aus dieser Schlussfolgerung hätte das NRW-Ministerium einiges lernen können.

Die App biete Orientierung in einer für die meisten Frauen völlig neuen Werteordnung, erklärte weiterhin die nordrhein-westfälische Ministerin Barbara Steffens Medienberichten zufolge bei der Vorstellung der Applikation „RefuShe“ (vor etwas einer Woche). Dazu gehöre auch, dass Frauen in Deutschland frei und gleichberechtigt leben könnten und sexuelle Gewalt geahndet werde.3 Solche Äußerungen diskriminieren Flüchtlingsfrauen* – und es ist nur zu hoffen, dass die App besser ist als ihre Ankündigung – die unter Umständen gerade in dieser Illusion hierher geflohen sind. Manche von ihnen haben hier mittlerweile harte Erfahrungen machen müssen.4 Gewalt gründet in der „Normalität“ des Sexismus „unserer“ Gesellschaft ebenso wie anderer und auch hier wird die sexistische Demütigung (bis zur Re-Traumatisierung) eventuell fortgeführt, indem Gewaltbetroffenen eine „Mitschuld“ zugeschrieben und/oder ihre Glaubwürdigkeit in angezweifelt wird.

Im zusätzlichen Zusammentreffen mit der rassistischen Strukturierung dieser Gesellschaft gab es im letzten Jahr genügend Fälle, in denen die in Flüchtlingslagern, in denen Frauen* untergebracht waren, gegen sie ausgeübte Gewalt von Betreiberunternehmen und offiziellen Stellen verleugnet statt verfolgt wurde (wie hier oder hier) . Auch in dem kürzlich ausgestrahlten WDR-Film von Naima El Moussaoui und Lukas Roegler Der Traum von Sicherheit – Was Frauen auf der Flucht erleiden5 wird einerseits am Beispiel der Erstaufnahme in Eisenhüttenstadt eindrücklich geschildert, wie DRK-Mitarbeiter angewiesen werden, die Vergewaltigung einer Frau zu vertuschen, und andererseits am Beispiel einer Unterkunft in Höxter die bittere Lektion dargestellt, dass auch ein Kind im Lager durch einen Betreiberbeschäftigten gefährdet sein kann. In der taz formulierte Susanne Memania als Fazit eines Interviews zur Forschung über die Situation von Frauen* in Flüchtlingslagern in Berlin, aus der das oben genannte Buch entstanden ist: „Zentrale Erkenntnis: Sammelunterkünfte gehören abgeschafft.“6 Es ist natürlich nicht anzunehmen, dass damit alles gut würde, aber für die betroffenen Frauen* möglicherweise dies & jenes besser.

  1. Pressemitteilung: Emanzipation: Ministerin Steffens: Bundesweit einzigartige App „RefuShe“ unterstützt Integration geflüchteter Frauen und bietet Hilfe bei Gewalt. Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen, 19.12.2016; http://www.mgepa.nrw.de/ministerium/presse/pressemitteilungsarchiv/pm2016/pm20161219a/index.php. [zurück]
  2. Miriam Bräu, Katharina Epstude, Ana Mara Erlenmaier, Lena Nahrwold, Maya Perusin Mysorekar, Maja Sisnowski, Laura Strott, Camila von Hein: „Starting below Zero“: On the Situation of Women* in Refugee Camps in Berlin, 9. August 2016; http://www.medizinethnologie.net/starting-below-zero/. [zurück]
  3. Unter anderem: App „RefuShe“ bietet Flüchtlingsfrauen Hilfe bei Gewalt (dpa), Welt, 19.12.2016; https://www.welt.de/regionales/nrw/article160428988/App-RefuShe-bietet-Fluechtlingsfrauen-Hilfe-bei-Gewalt.html. [zurück]
  4. Das betrifft natürlich auch die Ablehnung von Asylanträgen, die wegen geschlechtsspezifischer Verfolgung oder Verfolgung wegen sexueller Orientierung gestellt wurden, unter anderem weil erlebte Gewalt in Asylanhörungen nicht „glaubhaft“, d.h. detailliert und widerspruchsfrei, unbekannten Menschen beschrieben werden konnte. [zurück]
  5. Naima El Moussaoui und Lukas Roegler: Der Traum von Sicherheit – Was Frauen auf der Flucht erleiden. WDR Fernsehen, die story, gesendet am 07.12.2016; http://www1.wdr.de/fernsehen/die-story/sendungen/der-traum-von-sicherheit-100.html. [zurück]
  6. Susanne Memania: Forschung über Flüchtlingsfrauen. „Alle beklagen Mangel an Autonomie“. tageszeitung, 15.12.2016; http://www.taz.de/!5367579/. [zurück]
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