Kinoreihe „Weltsichten“

Diesen Samstag startet im Kino im Dortmunder U die Filmreihe „Weltsichten“ mit dem Film „Das Mädchen Wadjda“ der saudi-arabischen Regisseurin Haifaa Al Mansour. Die Kinoreihe, die vom Internationalen Frauenfilmfestival Dortmund │Köln initiiert und zusammen mit dem Projektteam Betriebliches Mentoring für geflüchtete Frauen (PerMentl) durchgeführt wird, soll sich besonders an Frauen mit und ohne Fluchterfahrung oder Migrationshintergrund und ihre Familien richten (aber auch an alle anderen Interessierten). Einmal im Monat wird ein preisgekrönter Film der letzten Jahre zu sehen sein – Filme von und über Frauen, ihre Konflikte, ihren Mut und ihren Lebenswillen.

Das Mädchen Wadjda | Bild: Neue Visionen Filmverleih

Samstag, 19.11.16 | 17 Uhr | Kino im Dortmunder U | DAS MÄDCHEN WADJDA | Regie und Drehbuch: Haifaa Al Mansour | Saudi-Arabien/Deutschland 2012, 97 Min. | Arabisch mit deutschen Untertiteln

„Das Mädchen Wadjda“ ist ein Film über ein 11-jähriges Mädchen in Riad in Saudi-Arabien. Wadjda träumt davon, das grüne Fahrrad zu besitzen, das sie jeden Tag auf dem Schulweg sieht, und mit diesem Rad ein Rennen gegen ihren Freund Abdullah, einen Nachbarsjungen, zu fahren und zu gewinnen.

Den Programmflyer mit dem Filmprogramm und weiteren Informationen findet ihr hier .

Der Eintritt ist bei allen Veranstaltungen frei.

Farbanschlag auf das Kulturzentrum ‚Langer August‘

Die Fassade des Kulturzentrums Langer August in der Dortmunder Nordstadt – in dem auch das Frauen*-Internationalismus-Archiv Räume hat, deshalb dieser Blogbeitrag – ist in der Nacht vom 8. auf den 9. September mit rosa Farbe beschmiert worden. Das nach einem kommunistischen Widerstandskämpfer benannte Haus bietet vielen Initiativen Platz.
Im März hatten in Dortmund Neonazis vergeblich versucht, durch Anschläge und eine Kampagne gegen den Vermieter die Eröffnung des Buchladens Black Pigeon im Hafenviertel zu verhindern. Anfang August gipfelten mehrere rechte Angriffe auf Antifaschist_innen schließlich in einer Messerattacke (der Angegriffene konnte verletzt noch flüchten). Die Vermutung der Urheberschaft liegt daher nahe – es wäre auch für das Kulturzentrum nicht das erste Mal, dass es Ziel rechter Aktivitäten wird.
Da in Dortmund Proteste gegen größere Neonaziaufmärsche „in Sichtweite“ höchstens in Sichtweite von Wasserwerfern und sonstigem Polizeiaufgebot stattfinden dürfen und selbst Anwohner_innen über die nahe ihrer Wohnungen vorbeiführende Aufmarschroute der Neonazis im Unklaren gelassen werden (um die Route vor möglichen Gegendemonstrant_innen geheim zu halten), sind hier von offizieller Seite auch nur Krokodilstränen zu erwarten. Das Zentrum Langer August hat mittlerweile ein Transparent (auf dem Bild etwas verwickelt) rausgehängt, um deutlich zu machen, dass – wenn es denn ein Einschüchterungsversuch gewesen sein soll – er erfolglos war.

Gewalt gegen Frauen* in Lagern

Wenn es um Gewalt gegen Frauen* in Flüchtlingslagern geht, heißt es meistens, das Personal in den Lagern müsse für die Belästigungen und Gewalt, die unter Umständen von (Ehe-)Partnern und männlichen Mitbewohnern in den Unterkünften ausgingen, ‚sensibilisiert‘ werden, um reagieren zu können. Dass die Beschäftigten – das Wach- und ‚Betreuungs‘-Personal – selbst Gewalt ausüben und es in der alltäglichen Hierarchie der Flüchtlingslager schwer bis unmöglich ist, sich dann zu wehren, wird kaum thematisiert. Dabei ist es Realität, wie die in den letzten Wochen im Wesentlichen von Refugees Welcome Bonn und dem Blog Ruhrbarone bekannt gemachten Vorgänge in NRW-Unterkünften erneut zeigen.

Bereits Anfang 2009 hatte eine Mitarbeiterin des Flüchtlingsrats Bayern anlässlich eines Vergewaltigungsverfahrens gegen den ehemaligen Hausmeister eines Flüchtlingslagers in Nürnberg auf den Zusammenhang zwischen fremdbestimmter Lagerunterbringung und sexualisierten Übergriffen hingewiesen: „Grundsätzlich fordern wir aber die Abschaffung des Lagersystems, das durch ein großes Machtgefälle zwischen Personal und Bewohnern die sexuelle Ausbeutung und andere Arten von Mißbrauch erst ermöglicht.“ Wohlfahrtsunternehmen, die als große Träger eigene Abteilungen bzw. Tochtergesellschaften für den Lagerbetrieb gegründet haben – bei den beschriebenen Skandalvorgängen geht es im Wesentlichen um das Deutsche Rote Kreuz –, und deren Geschäfte und Spendenaufkommen von ihren positiven Selbstdarstellungen abhängen, zeigen allerdings wenig Interesse an Aufklärung und Auseinandersetzung mit dem Thema schwerwiegender Gewalt in ihren Einrichtungen. Die Folgen sind Verschweigen und Vertuschen.

Burbach: Bereits im Herbst 2014 war die Landesunterkunft auf dem Gelände der ehemaligen Siegerland-Kaserne in Burbach wegen brutaler Misshandlungen und Demütigungen von Flüchtlingen durch dort eingesetztes Personal in die Schlagzeilen geraten. Während es anfangs hieß, es werde gegen einige der Wachleute ermittelt, laufen aktuell immer noch in 270 verschiedenen Sachverhalten Ermittlungen gegen 52 Personen – gegen Securities des damaligen Sicherheitsunternehmens ebenso wie gegen Beschäftigte der Essener Firma European Homecare, die das Flüchtlingslager betrieben hatte, sowie gegen Bedienstete der Bezirksregierung Arnsberg, die nicht eingeschritten waren. Als Konsequenz war im Oktober 2014 das Unternehmen European Homecare als Betreiber des Lagers in Burbach durch das Deutsche Rote Kreuz und der Sicherheitsdienst SKI durch die Firma BEWA Security ersetzt worden.

Nun sollen Mitarbeiter des jetzt von der DRK Betreuungsdienste Westfalen-Lippe gGmbH betriebenen Burbacher Lagers flüchtende Frauen sexuell ausgebeutet haben und außerdem im Februar eine Frau unter dem Einfluss von K.O.-Tropfen aus dem Lager verschleppt und vergewaltigt haben. Öffentlich bekannt geworden waren die Vorgänge, nachdem Ende Juni zwei Zeugen in dem Ermittlungsverfahren gegen das Personal der Landesunterkunft in Burbach aus der Unterkunft gedrängt worden waren und schließlich in Bonn auf der Straße strandeten. Da ein für die Bezirksregierung Arnsberg in dem Lager tätiger Mitarbeiter schließlich Anzeige bei der Polizei erstattet hatte, wurden damals bereits seit drei Wochen Ermittlungen geführt. Die Flüchtlingsfrau, die betäubt und verschleppt worden war, schwieg lange Zeit aus Angst, aber machte nun Anfang August ebenfalls eine Aussage bei der Staatsanwaltschaft Siegen.
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Prozesskostenhilfe für Klage gegen KiK

Das Landgericht Dortmund hat einer Pressemitteilung zufolge am 29. August beschlossen, den pakistanischen Kläger_innen gegen den Textildiscounter KiK Prozesskostenhilfe zu gewähren. Mehr als 250 Menschen starben im September 2012 bei einem Brand der Textilfabrik Ali Enterprises im pakistanischen Karatschi, deren Hauptauftraggeber die Textilkette Kik war. Vier Opfer beziehungsweise deren Angehörige hatten im März 2015 nach längeren Verhandlungen schließlich beim Landgericht Dortmund Klage auf Schmerzensgeld gegen den Discounter mit Hauptsitz in Bönen eingereicht.

Es gehe auch darum, dass KiK die Arbeitsbedingungen in den anderen Zulieferbetrieben verbessere, sagte Saeeda Khatoon, deren Sohn in den Flammen umkam, bei bei einem Gespräch im Frankfurter DGB-Gewerkschaftshaus im Juni. Denn in Pakistans Textilfabriken habe sich seit der Brandkatastrophe nicht wirklich etwas verändert. Mit 14 Jahren fing Saeeda Khatoons Sohn an, in der Textilfabrik zu arbeiten. „Manchmal war er 72 Stunden lang in der Fabrik“, erzählte die Pakistanerin. Er erhielt dafür ein Monatsgehalt von umgerechnet rund 70 Euro.

Nichts bewegt sich ohne Druck: KiK wehre sich gegen die Klage, habe sich nach Vermittlung des Entwicklungsministeriums im Frühjahr 2016 aber zumindest willens gezeigt, über eine Entschädigung zu verhandeln, schrieb Miriam Saage-Maaß im Juni auf Zeit online. Auf die Worte des guten Willens seien jedoch nur wenig Taten gefolgt. „Denn während KiK sich im Rahmen des Textilbündnisses als guter Partner des Ministeriums präsentieren kann, bleibt das Unternehmen bei der konkreten Verantwortung weit hinter seinen Lippenbekenntnissen zurück. Wie gut, dass der Fall beim Landgericht Dortmund anhängig ist.“ Das European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) sieht nun in der Entscheidung des Dortmunder Landgerichts einen ersten Schritt, damit Menschenrechtsverletzungen durch deutsche Unternehmen in anderen Ländern auch hier verhandelt werden können. Auch wenn das Ergebnis zunächst abzuwarten bleibt.

No Border Camp in Münster II

[This is the English version of the post below.]

In July there will be a No Border Camp in Thessaloniki in Greece—but in order to also make it possible for those “who do not have the temporal or financial resources to travel to Greece due to their dependencies or who are legally prevented from moving because of their unsettled residence permit status or a life in illegality” to participate in an exchange of views in relation to conditions and contexts, another No Border Camp will take place in Münster at the same time, i.e. from 15 to 24 July 2016.

There is a call for the Münster camp in English. Among other things, the call states that the “concept of the welfare state is failing—not only in the south of Europe—” and that power is being secured and legitimised by the “creation of enemy images”, along with an expansion of administrative and executive powers. Gender stereotypes, racism and surveillance are re-mobilised, in order to control society.

Proposals for workshops and other events are still being accepted—so hey you out there, if you read this and you are interested and have any ideas:
There has always been much to talk about as regards the interconnections of sexism and racism—not only now, after the New Year’s Eve events in Köln, when the talk often wasn’t about sexualised violence, but the violence was used for cheap right-wing propaganda or tightening of laws—, and there is also much to talk about and much to do concerning the concrete situation of women* and LGBTI*Q fleeing from their countries or living here in the Lagers.

On the camp website, it says:
So if you have ideas for workshops, talks, activities or whatever—brilliant! Let us know about it! You can write to them: program.nbc-ms [ät] riseup.net.
Of course, other forms of support (equipment for the camp, translations, medical team…) are still very welcome, too. If you want to help or have questions, etc. you can use the following address: nobordercamp-ms [ät] riseup.net.

No Border Camp in Münster I

Im Juli wird es ein No Border Camp in Thessaloniki in Griechenland geben – aber um es auch denen zu ermöglichen, sich über Verhältnisse und Zusammenhänge auszutauschen, „die aufgrund ihrer Abhängigkeiten nicht die zeitlichen oder finanziellen Ressourcen haben, nach Griechenland zu reisen, oder die aufgrund eines ungeklärten Aufenthaltsstatus bzw. einem Leben in Illegalität rein rechtlich an dieser Option gehindert werden“, findet zeitgleich ebenfalls in Münster vom 15. bis zum 24. Juli 2016 ein No Border Camp statt.

Im Aufruf für das Camp in Münster heißt es unter anderem:
Das Konzept des Wohlfahrtsstaats scheitert – nicht nur im Süden von Europa – und der Machterhalt von Staaten und die Begründung ihrer Legitimität wird über die Schaffung von Feindbildern, einhergehend mit einer Ausweitung administrativer und exekutiver Befugnisse durch einen Polizeiapparat gesichert. Stereotype Geschlechtsvorstellungen, Rassismus und Überwachung werden remobilisiert, um Bevölkerungen zu überwachen.

Vorschläge für Workshops und anderes werden noch gesucht – also ihr da draußen, wenn ihr das lest und Interesse und Ideen habt:
Über die Verschränkungen von Sexismus und Rassismus gab es immer schon viel zu sagen – und nicht erst jetzt, seit nach der Silvesternacht in Köln statt über sexualisierte Gewalt zu sprechen, die Gewalt für rechte Stimmungsmache und gesetzliche Verschärfungen ausgeschlachtet wurde –, ebenso gibt es hinsichtlich der konkreten Situation von Frauen* und LGBTI*Q auf der Flucht oder hier in den Lagern viel zu sagen und zu tun.

Auf der Camp-Website steht:
Wenn ihr also Ideen für Workshops, Vorträge, Aktionen oder oder oder habt, großartig! Dann immer her damit! Schreibt uns: program.nbc-ms [ät] riseup.net.
Andere Unterstützung (Campausrüstung, Übersetzungen, Sanitäter_innen…) wird natürlich auch noch gern gesehen. Dafür und für Fragen etc. ist die Adresse: nobordercamp-ms [ät] riseup.net.