Tag-Archiv für 'dortmund'

Frauenfilmfestival 4.- 9. April in Dortmund

Seit 30 Jahren findet in Dortmund das Internationale Frauenfilmfestival (in jährlichem Wechsel mit der Kölner Ausgabe) statt – in diesem Jahr stehen vom 4. bis 9. April 2017 unter dem Titel IN CONTROL…of the situation / Alles unter Kontrolle etwa 120 aktuelle und historische Filme, Performances und Diskussionen auf dem Programm.
Das Messbare hat Einzug in alle Lebensbereiche gehalten. Doch während Überwachung allgegenwärtig ist, gerät die Welt zunehmend außer Kontrolle. Immer wieder tauchen neue Krisengebiete auf der Landkarte auf, Konflikte verfestigen sich, Menschen müssen fliehen.

Informationen über das diesjährige Festival finden sich hier

Frauenbilder-Ausstellung und mehr Kino

Ab heute bis zum 23. April 2017 ist die Ausstellung „Ich bin eine Kämpferin.“ Frauenbilder der Niki de Saint Phalle im Museum Ostwall im Dortmunder U zu sehen, in der mit über 100 Werken der Weg der Künstlerin Niki de Saint Phalle (1930 – 2002, eigentlich Catherine Marie-Agnès Fal de Saint Phalle) nachgezeichnet wird. Auch wenn sie insbesondere durch ihre bunten weiblichen Figuren, die Nanas, bekannt geworden ist, hat sie sich bereits vorher auf vielfältige Weise mit Rollenbildern auseinandergesetzt (eine etwas eingehendere Übersicht über die Ausstellung in Dortmund findet sich hier in den Revierpassagen).
„Ich wollte die Welt, und die Welt gehörte den Männern.“ Also nahm Niki de Saint Phalle ein Gewehr und schoss sich den Weg in die Welt frei, schreibt das Kunstmagazin art anlässlich der Ausstellung in Dortmund. Anfang der 1960er Jahre füllte sie die Hohlräume weißer Reliefs mit Farbbeuteln, auf die – von ihr oder auch vom Publikum – mit einem Gewehr geschossen wurde, so dass sich die Farbe über das Bild ergoss. Ab 1962 setzte sie sich in anderer Form weiter mit der Frauenrolle auseinander. Es entstanden plastische Objektbilder von Frauenfiguren wie Die rote Hexe, Die Braut, Die rosa Geburt und Das Monster. Erst danach kamen ihre heiteren Nanas, runde, bunte Riesenfiguren als ausgelassene Begleiterinnen einer feministischen Revolution.

Frauenrollen und Krieg: Autel des femmes (Altar der Frauen), 1964
Fundstücke, Farbe, Gips, Kaninchendraht auf Holz (Triptychon), Sprengel Museum (Hannover), Foto: Michael Herling © 2016 Niki Charitable Art Foundation

Am 15.12 und 16.12. zeigt das Kino im Dortmunder U den Dokumentarfilm Niki de Saint Phalle: Wer ist das Monster, Du oder ich? (von Peter Schamoni) aus dem Jahr 1995 „als Auftakt der Filmreihe zur Ausstellung“ – welche weiteren Filme zur Filmreihe gehören sollen, verraten uns die Ankündigungen des Kinos und des Museums aber bisher nicht.

Kinoreihe „Weltsichten“

Diesen Samstag startet im Kino im Dortmunder U die Filmreihe „Weltsichten“ mit dem Film „Das Mädchen Wadjda“ der saudi-arabischen Regisseurin Haifaa Al Mansour. Die Kinoreihe, die vom Internationalen Frauenfilmfestival Dortmund │Köln initiiert und zusammen mit dem Projektteam Betriebliches Mentoring für geflüchtete Frauen (PerMentl) durchgeführt wird, soll sich besonders an Frauen mit und ohne Fluchterfahrung oder Migrationshintergrund und ihre Familien richten (aber auch an alle anderen Interessierten). Einmal im Monat wird ein preisgekrönter Film der letzten Jahre zu sehen sein – Filme von und über Frauen, ihre Konflikte, ihren Mut und ihren Lebenswillen.

Das Mädchen Wadjda | Bild: Neue Visionen Filmverleih

Samstag, 19.11.16 | 17 Uhr | Kino im Dortmunder U | DAS MÄDCHEN WADJDA | Regie und Drehbuch: Haifaa Al Mansour | Saudi-Arabien/Deutschland 2012, 97 Min. | Arabisch mit deutschen Untertiteln

„Das Mädchen Wadjda“ ist ein Film über ein 11-jähriges Mädchen in Riad in Saudi-Arabien. Wadjda träumt davon, das grüne Fahrrad zu besitzen, das sie jeden Tag auf dem Schulweg sieht, und mit diesem Rad ein Rennen gegen ihren Freund Abdullah, einen Nachbarsjungen, zu fahren und zu gewinnen.

Den Programmflyer mit dem Filmprogramm und weiteren Informationen findet ihr hier .

Der Eintritt ist bei allen Veranstaltungen frei.

Farbanschlag auf das Kulturzentrum ‚Langer August‘

Die Fassade des Kulturzentrums Langer August in der Dortmunder Nordstadt – in dem auch das Frauen*-Internationalismus-Archiv Räume hat, deshalb dieser Blogbeitrag – ist in der Nacht vom 8. auf den 9. September mit rosa Farbe beschmiert worden. Das nach einem kommunistischen Widerstandskämpfer benannte Haus bietet vielen Initiativen Platz.
Im März hatten in Dortmund Neonazis vergeblich versucht, durch Anschläge und eine Kampagne gegen den Vermieter die Eröffnung des Buchladens Black Pigeon im Hafenviertel zu verhindern. Anfang August gipfelten mehrere rechte Angriffe auf Antifaschist_innen schließlich in einer Messerattacke (der Angegriffene konnte verletzt noch flüchten). Die Vermutung der Urheberschaft liegt daher nahe – es wäre auch für das Kulturzentrum nicht das erste Mal, dass es Ziel rechter Aktivitäten wird.
Da in Dortmund Proteste gegen größere Neonaziaufmärsche „in Sichtweite“ höchstens in Sichtweite von Wasserwerfern und sonstigem Polizeiaufgebot stattfinden dürfen und selbst Anwohner_innen über die nahe ihrer Wohnungen vorbeiführende Aufmarschroute der Neonazis im Unklaren gelassen werden (um die Route vor möglichen Gegendemonstrant_innen geheim zu halten), sind hier von offizieller Seite auch nur Krokodilstränen zu erwarten. Das Zentrum Langer August hat mittlerweile ein Transparent (auf dem Bild etwas verwickelt) rausgehängt, um deutlich zu machen, dass – wenn es denn ein Einschüchterungsversuch gewesen sein soll – er erfolglos war.

Prozesskostenhilfe für Klage gegen KiK

Das Landgericht Dortmund hat einer Pressemitteilung zufolge am 29. August beschlossen, den pakistanischen Kläger_innen gegen den Textildiscounter KiK Prozesskostenhilfe zu gewähren. Mehr als 250 Menschen starben im September 2012 bei einem Brand der Textilfabrik Ali Enterprises im pakistanischen Karatschi, deren Hauptauftraggeber die Textilkette Kik war. Vier Opfer beziehungsweise deren Angehörige hatten im März 2015 nach längeren Verhandlungen schließlich beim Landgericht Dortmund Klage auf Schmerzensgeld gegen den Discounter mit Hauptsitz in Bönen eingereicht.

Es gehe auch darum, dass KiK die Arbeitsbedingungen in den anderen Zulieferbetrieben verbessere, sagte Saeeda Khatoon, deren Sohn in den Flammen umkam, bei bei einem Gespräch im Frankfurter DGB-Gewerkschaftshaus im Juni. Denn in Pakistans Textilfabriken habe sich seit der Brandkatastrophe nicht wirklich etwas verändert. Mit 14 Jahren fing Saeeda Khatoons Sohn an, in der Textilfabrik zu arbeiten. „Manchmal war er 72 Stunden lang in der Fabrik“, erzählte die Pakistanerin. Er erhielt dafür ein Monatsgehalt von umgerechnet rund 70 Euro.

Nichts bewegt sich ohne Druck: KiK wehre sich gegen die Klage, habe sich nach Vermittlung des Entwicklungsministeriums im Frühjahr 2016 aber zumindest willens gezeigt, über eine Entschädigung zu verhandeln, schrieb Miriam Saage-Maaß im Juni auf Zeit online. Auf die Worte des guten Willens seien jedoch nur wenig Taten gefolgt. „Denn während KiK sich im Rahmen des Textilbündnisses als guter Partner des Ministeriums präsentieren kann, bleibt das Unternehmen bei der konkreten Verantwortung weit hinter seinen Lippenbekenntnissen zurück. Wie gut, dass der Fall beim Landgericht Dortmund anhängig ist.“ Das European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) sieht nun in der Entscheidung des Dortmunder Landgerichts einen ersten Schritt, damit Menschenrechtsverletzungen durch deutsche Unternehmen in anderen Ländern auch hier verhandelt werden können. Auch wenn das Ergebnis zunächst abzuwarten bleibt.

Für zwischendurch

Mal ein bisschen Eskapismus – angesichts grässlich finsterer Zeiten (Dortmund, Fredenbaumpark).