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Türkei: Prozess gegen die Schriftstellerin Aslı Erdoğan

Im Verfahren gegen die türkische Autorin Aslı Erdoğan und acht Mitangeklagte, die ebenso wie sie für die Zeitung Özgür Gündem tätig waren, hat das Gericht letzte Woche zum Prozessauftakt die Entlassung der Schriftstellerin aus der Untersuchungshaft angeordnet. Auch die 70jährige Autorin und Übersetzerin Necmiye Alpay wurde freigelassen. Beide befanden sich seit viereinhalb Monaten im Istanbuler Frauengefängnis Bakırköy. Wegen der Kolumnen, die Aslı Erdoğan in der Özgür Gündem über die Situation in den kurdischen Gebieten veröffentlicht hatte, wird ihr in der Türkei der Prozess wegen „Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation“ gemacht.

Aus einem Gefängnis, einem Frauengefängnis zwischen einer Psychiatrie und einem ehemaligen Lepra-Krankenhaus, rufe ich heraus zu euch Literaten. Hinter Steinen, Beton und Stacheldraht rufe ich – wie aus einem Brunnenschacht – zu euch: Hier, in meinem Land, lässt man mit einer unvorstellbaren Rohheit das Gewissen verkommen. Dabei wird gewohnheitsmäßig und wie blind versucht, die Wahrheit zu töten. Auch wenn ich nicht weiß, wie, aber die Literatur hat es immer geschafft, Diktatoren zu überwinden. Die Literatur, die wir mit unserem eigenen Blut schreiben, denn diese ist für mich die Wahrheit. Herzliche Grüße, Aslı Erdoğan. Diese Grußbotschaft Aslı Erdoğans wurde zur Eröffnung der diesjährigen Frankfurter Buchmesse verlesen, während der die Autorin bereits inhaftiert war.

Plakat auf der Frankfurter Buchmesse

Dabei ist die Schriftstellerin, die für ihre Romane mehrere Literaturpreise – unter anderem im Jahr 2010 mit dem Sait-Faik-Literaturpreis einen der bedeutendsten Preise der Türkei – erhalten hat, nur eine von vielen, deren Ansichten zur aktuellen Lage in der Türkei unerwünscht sind. Seit dem Putschversuch in der Türkei verloren über 110.000 Personen ihren Job oder wurden suspendiert und etwa 40.000 Menschen wurden festgenommen; ungefähr 150 Autor*innen und Journalist*innen sitzen derzeit in türkischen Gefängnissen. Der Prozess gegen Aslı Erdoğan und andere Mitarbeiter*innen der Özgür Gündem soll nun nach einer weiteren Verhandlung gestern am 14. März fortgesetzt werden.

Geboren vor 85 Jahren: die Schriftstellerin Flora Nwapa

Florence Nwanzuruahu Nkiru Nwapa, in Oguta im Südosten Nigerias vor 85 Jahren geboren – am 13. Januar 1931 – als Autorin unter dem Namen Flora Nwapa bekannt, gilt als „Mutter der modernen afrikanischen Literatur“. Im Jahr 1966 erschien in englischer Sprache ihr Debütroman Efuru (Deutsch: Efuru, Göttingen 1997), der als erster Roman einer Frau aus Westafrika internationale Anerkennung fand und die komplexe Lebenssituation der Igbo-Frauen literarisch darstellte.

Flora Nwapa arbeitete zunächst im Erziehungswesen und später in der staatlichen Verwaltung. Nach der Herausgabe ihres zweiten Romans (Idu, 1970) war sie mit dem Vertrieb ihrer Bücher durch den veröffentlichenden britischen Verlag unzufrieden und gründete 1974 mit Tana Press ihren eigenen Verlag. 1977 folgte mit Flora Nwapa Books ein weiterer Verlag. Neben der Veröffentlichung ihrer eigenen Werke in diesen beiden Verlagen, darunter mehrere Kinderbücher, förderte sie als Verlegerin insbesondere unbekannte afrikanische Autorinnen.

Efuru, die Hauptfigur ihres ersten Romans, ist eine intelligente, schöne, hilfsbereite und als Händlerin wirtschaftlich erfolgreiche Frau, die tradierte Vorstellungen nicht pauschal ablehnt, aber auf ihrem eigenen Weg auch gegen Konventionen handelt. Kinderlos geblieben (ihre einzige Tochter stirbt) kehrt Efuru zuletzt nach zwei gescheiterten Ehen in das Haus ihres verstorbenen Vaters zurück und wird eine Priesterin Uhamiris, der Göttin des Oguta-Sees.
Die weiteren Werke Flora Nwapas setzen sich ebenfalls mit dem Leben der Frauen Nigerias auseinander (This Is Lagos, and Other Stories und die späteren Romane One Is Enough und Women Are Different), aber sie befassen sich auch mit den Erfahrungen des Biafra-Krieges (Never Again und Wives at War, and Other Stories).

In einem Interview erklärte Flora Nwapa, ihr Schreiben sei dadurch beeinflusst, dass sie selbst seit ihrer Kindheit unter sehr starken Frauen gelebt habe: So hätten ihre beiden Großmütter und deren Ko-Frauen wirtschaftliche Macht durch Handel erworben. Als Feministin bezeichnete sich Flora Nwapa nicht , sondern bezog sich auf den ursprünglich von Alice Walker geprägten Begriff Womanism – als Konzept, das sich von einem weißen Feminismus abgrenzt und sich auf die eigenen (afroamerikanischen, afrikanischen) Unterdrückungsverhältnisse (auch Kolonialismus) bezieht, in denen Sexismus ein Aspekt ist.
Flora Nwapa lehrte unter anderem an der New York University oder der University of Michigan in den USA. Sie starb mit 62 Jahren am 16. Oktober 1993 in Enugu in Nigeria an einer Lungenentzündung.

Quellen: Diverse Online-Quellen, hier der Link zum englischsprachigen Wikipedia-Eintrag: Flora Nwapa